— se io mi trascoloro,
Non ti maravigliar . . . . . . . . . .
In vesta di pastor’ lupi rapaci
Si veggion per tutti i paschi —
DANTE.
O könnt ich wie zu einem Feierschmaus
Die ganze Klerisei der Christenheit
Einladen! von dem Eisgestade her
Den dummen Popen, von des Tago Strand
Den schlauen Inquisitor der das Blut
Der Unschuld mit der weissen Kutte deckt,
So Abt als Bischof, Pabst und Kardinal,
Den Domherrn welcher mit dreifachem Kinn
In weicher Sänfte angetragen käm,
Den Chorherrn der von Würzburgs Kelter glüht,
Den Superintendenten und den Probst,
Vikar und Dechant, Priester, Mönch und Pfaff,
Und jedes stolze Afterpäbstlein, das
Auf seiner kleinen Pfarre breit sich bläht;
Kurz jeden den die Mutter Kirche nährt,
Die gleich der Göttin Isis unsichtbar
An hundert Brüsten ihre Kinder säugt;
So schüttet ich mein Herz auf einmal aus!
Ich sonderte die wahren Priester ab,
Denn mancher himmelvolle Fenelon
Lebt noch in jeder Kirche hie und da,
Und theilet weis’ und gut wie Ahlemann,
Der Wahrheit helles Licht, der Liebe Glut,
Mit mildem Einfluß seinen Brüdern mit,
Den andern rief ich dieses Donnerwort:
„Wer hat, Gezücht von Ottern, euch gelehrt
„Dem künft’gen Feuerzorne zu entfliehn?
„Euch blinket an der Wurzel schon die Axt,
„Schon leckt die Flamme nach dem faulen Holz!“
Doch da ich nicht auf einen sanften Huß
Die Wölf im Schafpelz zu dem Bodensee
Hinladen, noch mit aufgetischtem Mahl,
Wie Jesebel die Pfaffen füttern kann,
So hören sie auf meine Stimme nicht,
Drum wend ich warnend zu der Heerde mich:
Merkt Christen, heilig ist des Priesters Amt!
Wer nicht den wahren Priester ehrt, der ehrt
Auch nicht den Altar, nicht des Altars Gott,
Und Schalkheit laurt in seines Herzens Grund!
Der Mietling sind viel, der Diebe viel,
Der Wölf’ im Schafpelz viel; es ist nicht schwer,
Wie schlau sie sind, den Schäfer von dem Dieb,
Den Hirten von dem Mietling zu erkennen.
Ehrt jenen, liebt als euren Vater ihn,
Des Himmels Weisheit spricht aus seinem Mund,
Er liebt die Heerde, eifert nur für sie,
Und blutete für seine Lämmer gern.
Doch wer sein eignes sucht, der ist ein Dieb,
Folgt seinen Worten wenn er Tugend lehrt;
Mit Abscheu schauet seinen Wandel an!
Seht jenen dessen Auge seitwärts schielt,
Wenn er zur Linken des Altares pflegt,
Und rechts der Opferheller ihm ertönt.
Er spart den Zehnten für die theure Zeit,
Und wuchert mit des armen Landmanns Schweiß.
Der ist ein hagrer Wolf! an seinem Tisch
Verhungern Weib und Kind; den Dürftigen
Labt er mit kaltem Trost. Was Trost? er schilt;
Geh Fauler, gehe zur Ameisen du!
Und lerne sammeln für des Winters Noth!
Wenn dieser jenen magern Kühen gleicht,
Die Pharao im Traumgesichte sah;
So seht der fetten Kühe Gegenbild
In jenem glatten, wohlgemästeten
Bauchpfaffen, der ehrwürdig schnaubend naht.
Zwar wittert er des Junkers Brühe schon,
Doch ächzt er unter seines Leibes Last,
Und wischt bei jedem zehnten Schritt den Schweiß
Mühsam von der Gedankenleeren Stirn.
Das Schweißtuch läßt er aus der Rechten nie,
Als nur bei Tisch; auch wenn er sizet hält
Ers in der Hand, die auf dem Bauche ruht.
Und dennoch ist er zehnmal lieber mir,
Als jener süsse Superintendent,
Den eine Kutsche durch die Strasse wiegt.
Seht wie er rechts und links nach Grüssen schnappt,
Und mit ihm eigner Salbung wieder grüßt!
In seiner Reichsstadt ein Orakel, fährt
Vom Rathsherrn er zum reichen Kaufmann hin,
Weiß wie die Aktien in Holland stehn,
Und hoft zur Vorsicht lange werde sie
Der Krieg erhalten, der im Süden flammt.
Der Bürgermeister ehret seinen Rath,
Und Weiblein hören seine Reden gern,
Die weich und weit umschweift wie sein Talar,
Gefällig wie sein Bückling, leer an Kraft
Wie er, und Tünchwerk seiner Schalkheit sind.
Wer glättet so den Weg des Himmelreichs?
Die Seelen führt er gleitend wie ein Schiff
Geseift auf Bolen von dem Stapel läuft.
Doch kostbar ist sein Himmelschlüssel, schleust
Nur Reichen auf; er weist die Armen ab,
Ein rauher Bettelvogt an Petrus Thür!
Staatskundiger und stolzer noch als er
Ist Herr Philaulos, dem des Fürsten Herz
Im Beichtstuhl offen steht. Von ihm geschont,
Schont sein des Fürsten eitle Buhlerin.
Groß ist sein Einfluß in den Hof, und selbst
In die Geschäfte des Ministers groß.
Der tiefgebeugte Dorfpfarr hoft auf ihn,
Er schüze Zion gegen Babels Wut.
Nicht auf der Kanzel, noch beim Krankenbett
Des hochgebornen Sünders nur allein,
Fleust seiner Rede breiter Strom; er fleust
Von Weisheit über wenn er bei dem Thee
Mit des Ministers Frau den Sopha theilt,
Und im vornehmen Kreise staatsklug lehrt:
Der Fürst sei Gottes Bild, mit heil’gem Oel
Gesalbet sei er heilig, Frevel sei
Der freche Zweifel an die Gültigkeit
Der unumschränkten gottgegebnen Macht.
Ihm lächelt der Minister, und es schwört
Der Kammerherr er sei ein braver Mann!
Indeß der alte Obermarschall seufzt:
Es hab im Titilibus und Pularch
Sein Sohn den Gift des Heidenthums geschlürft.
Laß sie von Freiheit schwazen und vom Recht
Der Menschheit, (eitlen Träumen!) und Jean Jacques,
Es läutet schon, wir gehen in den Dom,
Dort predigt heute Tisiphonius.
Aus dem Gewölke schwarzer Locken tönt
Des Eifrers Stimme, seine Kanzel bebt
Wie Ebals Gipfel unter Flüchen nur.
Er schäumt, er tobt! warum? ein Tempel ward
Den Katholiken wieder aufgethan.
Komm Freund, mich ekelt vor des Heuchlers Gift;
Zu Katharinens Kirche laß uns gehn,
Heut sind die Armenbecken ausgestellt.
„Den Regen zu vermeiden stelltest du
„Uns unter diese böse Traufe hin?
Wie so? „Kennst du den argen Pfaffen nicht?
„Den Gözen seines Pöbels, der die Stadt
„Mit bittern Hefen seines Gallenkelchs,
„Zur Ehre Gottes, wie er heuchelt, tränkt?
„Zween fromme, weise Männer, seines Amts
„Genossen, hat er frömmelnd angezischt,
„Und wütend angebrüllt, bis zulezt
„Sein Drachengift in ihre Wunden floß,
„Und einer nach dem andern schwindend starb.
„Wie strömts ihm von der Quelle wenn er fleht:
„Herr schütte auf die Heiden deinen Grimm,
„Und auf die Nazionen welche dich
„Nicht kennen!“ So? ist das der Ehrenmann,
Der wo ein Leuchter der Gemeinen stralt,
Die Brandklock Zions läutend, Feuer! ruft?
Nun denn, zur Lieben Frauen laß uns gehn!
Welch feines Männchen! zierlich wie der Fall
Der braunen Locken die des Kräuslers Kunst
Ihm wand, ist seine Rede. Neulich kam
Er von der Leine, seines Vaters Stolz,
Zurück. Der alte Vater sog vordem
In Jena seiner Lehrer Weisheit ein,
Und dünkte sich ein Wunder seiner Zeit.
Allein wieviel hat nicht das Christenthum
Seitdem gewonnen! Die Philosophie,
Wie vieles aufgeräumt! Der Vater liest
Zwar jedes Zeitungsblatt und jede Schrift,
Die Nikolais Tiegel rein erfand,
Und änderte daher von Jahr zu Jahr
Den Lehrbegriff; allein der Sohn ist voll
Von Weisheit! ihm ist nichts geheim, er schaut
In jede Tiefe der Religion
Durch Brillen die ein blinder Meister schliff.
Zuviel! zuviel! mir fleust die Gall’ ins Blut!
In solchen Händen ist die Lehre nun,
Die donnernd Gott vom hohen Sina gab!
Und welche Gottes Sohn, in Knechtsgestalt
Gehüllt, uns brachte, dessen Zeugniß rein
Gleich seinem Wandel, Gnadenvoll wie Er,
Gewaltig und voll hoher Einfalt war!
Ihr habt die Lehre, haltet was ihr habt!
Sie ists für welche Märtrer bluteten,
Sie giebt im Leben, sie im Tode Ruh,
Der Dämmrung Ruhe vor dem Morgenroth,
Und stralet einst in vollem Mittagsglanz!
Baut, Christen, baut auf diesen Felsengrund!
Die falschen Lehrer baun auf falschen Sand,
Lustwandeln auf des flachen Daches Blech,
Und brüsten auf dem luft’gen Söller sich,
Bis ihr Gebäu vom Regengusse stürzt!
