Semeleeine lyrische Operette von zwo ScenenSemele,eine lyrische Operette von zwo Scenen.Personen.Juno. Zevs.Semele. Prinzessin zu Thebe. Merkur.Der Schauplaz ist zu Thebe im Pallast der Semele.Erste Scene.Saal im königlichen Pallast zu Thebe.Juno(aus einer hellen niederfließenden Wolke, der Pfauenwagen halb sichtbar.)Hinweg den geflügelten WagenPfauen Junos! Erwartet michAuf Zythärons wolkichtem Gipfel!(Wagen und Wolken verschwinden.)Ha! sey gegrüßt Haus meines grauen Zornes!Sey grimmig mir gegrüßt, feindseliger Pallast!Verhaßtes Pflaster! – Hier also die Stätte,Wo wider meinen Torus JupiterIm Angesicht des keuschen Tages frevelt?Hier – wo ein Weib, ein sterblich schwaches WeibEin Weib aus Thon gewoben, sich erfrecht,Den Donnerer aus meinem Arm zu schmeicheln,An ihren Lippen ihn gefangen hält? –Juno! Juno! traurigStehst du, tief verachtetAuf des Himmels Throne,Zevs liebt dich nicht mehr!Arie.Götterbrod und NektarpunschUeberflügeln meinen Wunsch,Reichlich dampfen mir Altäre –Sklavisch frohnt mir jedes Knie.Was ist, ohne Liebe, Ehre?Was Zytherens Gürtel ohne sie?Weh mir! meinen Stolz zu beugen,Mußt’ schon Venus aus dem Schaume steigen –Götter gestrudelt der Zauberin zu –Weh mir! meinen Gram zu mehren,Mußt Hermione gebährenUnd dahin auf ewig meine Ruh! – –(heftig entschlossen.)Nein, im Staube will ich nicht mehr trauern,Länger nicht der Stolzen Siegeswagen ziehn!Bin ich nicht Fürstin der Götter?Nicht Schwester des Donnerers?Nicht des Flammenschleuderers Frau?Aechzen nicht die Axen des HimmelsMeinem Gebot? Umrauscht nicht mein Haupt die olympische Krone?Ha! ich fühle mich! – Kronos Blut in den unsterblichen Adern!Königlich schwillt mein göttliches Herz! – Rache! – Rache!Soll sie mich ungestraft schmähen?Ungestraft mit des Donnrers Umarmungen pralen,Ungestraft die Erinnys hinauf in den Göttersiz rufen? –Ha! der Würmerfraß! – Auf ein lakirtes GesichtgenAufgebläht, wagt’s – das Ding von gestern und heuteWagt’s um den Rang zu buhlen mit Göttern?Staub will mit Aether wetteifern? – Stolze! Vergessene!(mit Würde.)Trägt es auch wohl den grosen Stempel Uranos?Oder frohlockt nicht Verwesung schonDurch die Larve der welkenden Pracht? –Stirb! Lern am stygischen Strom von Unsterblichkeit StaubUnterscheiden! – Deine Riesenrüstung mag dich erdrücken, dichNiederschmettern deine Göttersucht! – –RachegepanzertSteig ich vom hohen Olympus herab!Süße, vergiftende,Schmeichelnde RedenHab ich ersonnen,Tod und Verderben lauren darinn.HorchIhre Tritte!Sie naht!Naht dem Sturz dem Verderben!Verhülle dich Gottheit in sterblich Gewand!Tief ist der SturzVon Göttern in Würmer der Sturz!Doch! Doch!Kann die Liebe mit dem Stiere grasen,Was darf die Rache nicht?(Sie entfernt sich.)Semele (tritt auf)(In die Scene.) Die Sonne neigt sich schon – Auf Zofen, eilt!Durchbalsamet den Saal mit Weihrauchdüften,Streut Rosen und Narcissen rings umher,Vergeßt auch nicht das goldgewebte Polster –(vor sich.) Er kommt noch nicht – die Sonne neigt sich schon –(in die Scene.) Und haltet köstliche FrüchteBereit. –Juno (stürzt in Gestalt einer Alten herein.)Gelobet seyen die Götter! Meine Tochter!Semele.Ha! wach ich? träum ich? Götter! Beroe?Juno (an ihrem Hals.)Sollt ihre alte Amme SemeleVergessen haben?Semele.Beroe! beym Zevs.Juno.Ich bins!Semele. (umarmt sie.)Laß an mein Herz dich drücken – deine Tochter –Du lebst? Was führt von Epidaurum dichZu mir? Wie lebst du? Du bist doch noch immerMeine Mutter?Juno.Mutter?Eh nanntest du mich so.Semele.Du bist es noch,Wirst’s bleiben, bis von Lethes TaumeltrankIch trunken bin –Juno.Bald wird wohl BeroeVergessenheit aus Lethes Kelche trinken,Die Tochter Kadmus trinkt vom Lethe nicht.Semele.Wie das? den doch mein Eltervater AgenorGekostet hat? –Juno.Wird Semele nicht kosten.Semele.Wie meine Gute? räzelhaft war sonstNie deine Rede, nie geheimnißvoll,Der Geist der grauen Haare spricht aus dir –Ich werde, sagst du, Lethes Trank nicht kosten?Juno.So sagt’ ich, ja! was spottest duDer grauen Haare? – Freilich haben sieNoch keinen Gott bestriket wie die blonden –Semele.Verzeih der Unbesonnenen[1] – wie wollt’ ichDer grauen Haare spotten, werden wohlDie meinen ewig blond vom Nacken fliesen? –Was aber wars, das zwischen deinen ZähnenDu murmeltest? – Ein Gott? –Juno. (rasch.)Sagt’ ich, ein Gott?Nun ja, die Götter wohnen überall:Sie anzuflehn, steht schwachen Menschen schön.Die Götter sind wo du bist – Semele!Was fragst du mich?Semele.Wie? meine Beroe?So fremd? warum diß Herz vor mir verschlossen,Das einst so froh in mein Herz überwallte?Das wolltest du nicht sagen? –Juno.Wollt’ ich mehrDie Götter sind wo du bist – konnt’ ich mehr noch sagen?Die Götter wohnen gern um Semele?Semele.Boshaftes Herz! – doch sprich was führte dichDen weiten Weg von Epidaurum her,Das doch wohl nicht, daß gern die Götter wohnenUm Semele?Juno.Beim Jupiter nur das!Welch Feuer fuhr in deinen Wangen auf,Als ich das Jupiter aussprach? – nichts andersAls jenes, meine Tochter – schröklich rastDie Pest zu Epidaurum, tödtend GiftIst jeder Hauch, und jeder Athem würget,Den Sohn verbrennt die Mutter, seine BrautDer Bräutigam, die feuerflammendenHolzstöße machen Tag aus Mitternacht,Und Klagen heulen rastlos in die Luft,Unüberschwänglich ist das Weh! – entrüstetBlikt Zevs auf unser armes Volk herab,Vergebens strömt ihm Opferblut, vergebensZermartert am Altare seine KnieDer Priester, unserm Flehen ist sein Ohr verriegelt –Drum sandt’ zu Kadmus groser Königstochter michMein wehbelastet Vaterland, ob ichVon ihr erbitten könnte seinen GrimmVon uns zu wenden – Beroe die AmmeGilt viel, gedachten sie, bey Semelen – bey ZevsGilt Semele so viel – mehr weiß ich nicht,Versteh noch weniger, was sie damitBedeuten: Semele vermag bey Zevs so viel.Semele. (heftig, und vergessen.)Die Pest wird morgen weichen – sags dem Volk,Zevs liebt mich! sags! heut muß die Pest noch weichen!Juno (auffahrend mit Staunen.)Ha! ist es wahr? was tausendzüngiges GerüchtVom Ida bis zum Hömus hat geplaudert?Zevs liebt dich? Zevs grüßt dich in aller Pracht,Worinn des Himmels Bürger ihn bestaunen,Wenn in Saturnia’s Umarmungen er sinkt? –Laßt Götter! laßt die grauen Haare nunZum Orkus fahren – satt hab ich gelebt –In seiner Götterpracht steigt Kronos groser SohnZu ihr, zu ihr, die einst an dieser BrustGetrunken hat – zu ihr –Semele.O Beroe! er kam.Ein schöner Jüngling reizender als keinerAuroras Schooß entflossen, paradisisch reinerAls Hesperus, wenn er balsamisch haucht,In Aetherflut die Glieder eingetaucht,Die Haare seidenweich und säuselnd aufgehoben,Den Schwanenhals in Lockennacht verschoben,Das reizendste Gemisch von Finsterniß und Licht –Elysium sein Blik, sein schimmernd AngesichtMit Rosenroth purpurisch durchgewoben,Voll Ernst sein Gang, und majestätisch, wieHyperions, wenn Köcher, Pfeil und BogenDie Schultern niederschwirren, wieVom Ozean sich heben SilberwoogenAuf Mayenlüften hintennach geflogenSein Lichtgewand, die Stimme Melodie,Ein Ohrenmahl wie Sphärenharmonie!Wie Silberklang aus fliessenden Krystallen –Entzükender als Orpheus Saiten schallen –Ein Zauberbild wie noch vor keinem Auge schwam,Das Statuen belebt, und Lebende versteinert,Diß, tausendfach erhöht, und tausendfach verfeinert,Erreicht den Schatten nicht von meinem Bräutigam.Juno.Ha! meine Tochter! – die BegeisterungErhebt dein Herz zum helikonschen Schwung!Wie muß das Hören seyn! wie himmelvoll das Bliken!Wenn schon die sterbende ErinnerungVon hinnen rükt in delfischem Entzüken? –Wie aber? warum schweigst du mirDas kostbarste? Chronions höchste Zier,Die Majestät auf rothen DonnerkeulenDie durch zerrissene Wolken eilen,Willst du mir geizig schweigen? – LiebenswürdigkeitMag auch Prometheus und DeukalionVerliehen haben – Donner wirft nur Zevs!Die Donner die zu deinen FüßenEr niederwarf, die Donner sind es nurDie zu der Herrlichsten auf Erden dich gemacht. –Semele. (stuzt.)Wie, was sagst du? hier ist von keinen DonnernDie Rede. –Juno. (lächelnd.)Semele! auch Scherzen steht dir schön!Semele.So himmlisch, wie mein Jupiter, war nochKein Sohn Deukalions – von Donnern weiß ich nichts!Juno.Ey! Eifersucht!Semele.Nein Beroe! beim Zevs!Juno.Du schwörst?Semele.Beim Zevs! Bei meinem Zevs!Juno (schreyend.)Du schwörst?Semele.Wie wird dir? – Keine Spur von Donnern!Juno (erschrocken.)Keine SpurUnglückliche?Semele.Wahrhaftig, kein Gedanke!Juno.Entsezlich! was nicht ein Gedanke?Semele (ängstlich.)Beroe!Juno.Sprichs noch einmal das Wort, das zur ElendestenAuf Tellus ganzem großem Rund dich macht! –Nicht eine Spur von Donnern, kein Gedanke?Semele.Ihr Götter! kann ich anders sagen?Juno (mit verzweifeltem Geschrey.)Ha!Vernahmt ihrs auch ihr der Olympus Mächte!Du Feuerrad des Titans! – Nordische Trionen!Du Trillingsstirn der Gräber Pilgerin!Ihr des Neptunus Schrecken! Ihr des Orkus Nächte!Vernahmt ihrs auch? – Sie kann nichts anders sagen –Verlohrene! das war nicht Zevs!Semele.Nicht ZevsAbscheuliche!Juno.Ein lockerer GeselleAus Attika, der unter Gottes LarveDie Ehre, Schaam und Unschuld wegbetrog! –(Semele sinkt um.)Ja stürz nur hin! Steh ewig niemals auf!Laß ew’ge Nacht dein Licht verschlingen, laßUm dein Gehör sich lagern ew’ge Stille!Bleib ewig hier ein Felsenzaken kleben! –O Schande! Schande! die den keuschen TagZurük in Hekates Umarmung schleudert!So Götter! Götter! so muß BeroeNach sechszehn schwer durchlebten TrennungsjahrenDie Tochter Kadmus wiedersehn! – FrohlockendZog ich von Epidaurum her, mit SchaamMuß ich zurük nach Epidaurum kehren! –Verzweiflung bring ich mit! O Jammer! O mein Volk!Die Pest mag ruhig bis zur zwoten UeberschwemmungFortwüten, mag mit aufgebäumten LeichenDen Oeta übergipfeln, magGanz Griechenland in ein Gebeinhaus wandeln,Eh Semele den Grimm der Götter beugt.Betrogen ich und du und Griechenland und alles!Semele (richtet sich zitternd auf, und strekt einen Arm nach ihr aus.)O meine Beroe!Juno.Ermuntre dich mein Herz!Vielleicht ists Zevs! Wahrscheinlich doch wohl nicht!Vielleicht ists dennoch Zevs! Izt müssen wir’s erfahren!Izt muß er sich enthüllen oder du,Fliehst ewig seine Spur, gibst den AbscheulichenDer ganzen Todesrache Thebens Preiß. –Schau, theure Tochter auf – schau deiner BeroeIns Angesicht, das sympathetisch dirSich öffnet – wollen wir ihn nichtVersuchen Semele?Semele.Nein bei den Göttern!Ich würd ihn dann nicht finden –Juno.Würdest duWohl minder elend seyn, wenn du in bangen ZweifelnFortschmachtetest – und wenn ers dennoch wäre?Semele (verbirgt das Haupt in Junos Schoos.)Ach! Er ists nicht!Juno.Und sich in allem GlanzWorinn er je die schimmernden GestirneVerdunkelte, er je ein endlich AugVerblendete, vor dessen scharfem Schauen(Dir ist es Abenddämmerung)Die Sonnen schwarz vorüber schwanden,Im Tanz die Sphären stille standen, –Dir sichtbar stellte? – Semele! wie nun?Dann sollte dichs gereuen ihn versuchtZu haben?Semele (auffahrend.)Ha! Enthüllen muß er sich!Juno (schnell.)Eh darf er nicht in deine Arme sinken –Enthüllen muß er sich – drum höre gutes KindWas dir die redliche getreue Amme räth,Was Liebe mir izt eben zugelispelt,Vollbringen Liebe wird – sprich, wird er bald erscheinen?Semele.Eh noch Hyperion in Thetis Bette steigt,Versprach er zu erscheinen –Juno (vergessen, heftig.)Wirklich? Ha?Versprach er? heut schon wieder? (faßt sich.) Laß ihn kommenUnd wenn er eben Liebestrunken nunDie Arme auseinander schlingt nach dir,So trittst du – Merk dirs – wie vom BlizGerührt zurück. Ha! wie er stuzen wird,Nicht lange lässest du mein Kind ihn stuzen,Du fährst so fort, mit frostgen Minen dieDie Seele morden, (liebenden Megären!)Ihn wegzustoßen – wilder, feurigerBestürmt er dich, die Sprödigkeit der SchönenIst nur ein Damm der einen RegenstromZurükepreßt, und ungestümer prallenDie Fluten an – Izt hebst du an zu weinen –Giganten mocht er stehn, mocht ruhig niederschaunWenn Typheus hundertarmiger GrimmDen Oßa und Olymp nach seinem Erbthron jagte –Die Thränen einer Schönen fällen Zevs –Du lächelst? – Gelt? die SchülerinIst weiser hier als ihre Meisterin? –Nun bittest du den Gott, dir eine kleine kleineUnschuld’ge Bitte zu gewähren, dieDir seine Lieb und Gottheit siegeln sollte –Er schwörts beym Styx! – Der Styx hat ihn gebannt!Entschlüpfen darf er nimmermehr! Du sprichst:„Eh sollst du diesen Leib nicht kosten, bisIn aller Kraft, worinn dich Kronos TochterUmarmt, du zu der Tochter Kadmus steigest!“Laß dichs nicht schröken, Semele, wenn erDie Grauen seiner Gegenwart, die FeuerDie um ihn krachen, dir die Donner dieDen Kommenden umknallen, zu PopanzenAufstellen wird, den Wunsch dir zu entleiden,Das sind nur leere Schreken Semele,Die Götter thun mit dieser herrlichstenDer Herrlichkeiten gegen Menschen karg –Beharre du nur starr auf deiner ersten Bitte,Und Juno selbst wird neidisch auf dich schielen.Semele.Die Häßliche mit ihren Ochsenaugen!Er hat mirs oft im Augenblik der LiebeGeklagt, wie sie mit ihrer schwarzen GalleIhn martere –Juno (ergrimmt, verlegen bey Seite.)Ha! Wurm! den Tod für diesen Hohn!Semele.Wie meine Beroe? – Was hast du da gemurmelt?Juno (verlegen.)Nichts – meine Semele. Die schwarze Galle quältAuch mich – Ein scharfer strafender BlikMuß oft bey Buhlenden für schwarze Galle gelten –Und Ochsenaugen sind so wüste Augen nicht.Semele.O pfui doch! Beroe! die garstigstenDie je in einem Kopfe steken können! –Und noch dazu die Wangen gelb und grün,Des gift’gen Neides sichtbarliche Strafe –Mich jammert Zevs, daß ihn die KeiferinMit ihrer ekelhaften Liebe keine NachtVerschont und ihren eifersücht’gen Grillen,Das muß Ixions Rad im Himmel seyn.Juno (in der äusersten Verwirrung und Wuth auf und ab rasend.)Nichts mehr davon!Semele.Wie Beroe? so bitter?Hab ich wohl mehr gesagt, als wahr ist, mehrAls klug ist? –Juno.Mehr hast du gesagtAls wahr ist, mehr als klug ist junges Weib!Preiß dich beglükt, wenn deine blauen AugenDich nicht zu früh in Charons Nachen lächeln!Saturnia hat auch Altär’ und Tempel,Und wandelt unter Sterblichen – die GöttinnRächt nichts so sehr als höhnisch Nasenrümpfen.Semele.Sie wandle hier, und sey des Hohnes Zeugin!Was kümmerts mich? – Mein Jupiter beschüztMir jedes Haar, was kann mir Juno laiden? –Doch laß uns davon schweigen Beroe,Zevs muß mir heute noch in seiner Pracht erscheinen,Und wenn Saturnia darob den PfadZum Orkus finden sollte –Juno (beiseit.)Diesen PfadWird eine andre wohl noch vor ihr finden,Wenn je ein Bliz Chronions trift! – (zu Semele.)Ja Semele, sie mag vor Neid zerberstenWenn Kadmus Tochter, Griechenland zur SchauHoch im Triumfe zum Olympus steigt! –Semele (leichtfertig lächelnd.)Meinst du?Man werd’ in Griechenland von Kadmus Tochter hören?Juno.Ha! ob man auch von Sidon bis AthenVon einem andern höret: Semele!Götter, Götter, werden sich vom Himmel neigen,Götter vor dir niederknien,Sterbliche in demuthsvollem SchweigenVor des Riesentöders Braut sich beugenUnd in zitternder Entfernung – –Semele (frisch aufhüpfend ihr um den Hals fallend.)Beroe!Juno.Ewigkeiten – grauen WeltenWirds ein weißer Marmor melden:Hier verehrt’ man Semele!Semele der Frauen Schönste,Die den DonnerschleudererVom Olymp zu ihren KüssenIn den Staub herunter zwang,Und auf Famas tausendfach rauschenden FlügelnWirds von Meeren schallen, und brausen von Hügeln –Semele (ausser sich.)Pythia! Apollo! – Wenn er dochNur erschiene!Juno.Und auf dampfenden AltärenWerden sie dich göttlich ehren –Semele (begeistert.)Und erhören will ich sie!Seinen Grimm mit Bitten söhnen,Löschen seinen Bliz in Thränen!Glüklich glüklich machen will ich sie!Juno (vor sich.)Armes Ding! das wirst du nie. –(nachdenkend.)Bald zerschmilzt – – – doch – garstig mich zu heißen! –Nein! Das Mitleid in den Tartarus! (zu Semele.)Flieh nur! Flieh nur meine Liebe,Daß dich Zevs nicht merke, laß ihn langDeiner harren, daß er feurigerNach dir schmachte –Semele.Beroe! der HimmelHat erkohren dich zu seiner Stimme!Ich Glüksel’ge! vom Olympus neigenWerden sich die Götter, vor mir niederknienSterbliche in demuthsvollem Schweigen – –Laß nur – laß – ich muß von hinnen fliehn!(eilig ab.)Juno (siegjauchzend ihr nachblikend.)Schwaches! stolzes! leichtbetrognes Weib!Fressendes Feuer seine schmachtenden Blicke,Seine Küsse Zermalmung, GewittersturmSeine Umarmung dir! – Menschliche LeiberMögen nicht ertragen die GegenwartDeß der die Donner wirft! – Ha! (in rasender Entzükung.)Wenn nun ihr wächserner sterblicher LeibUnter des Feuertriefenden ArmenNiederschmilzt, wie vor der Sonne GlutFlokigter Schnee, – der MeineidigeStatt der sanften, weicharmigten Braut,Seine eig’nen Schrecken umhalßt – wie frohlokend dannWill ich herüber vom Zythaeron waiden mein Auge!Rufen herüber, daß in der Hand ihm der DonnerkeilNiederbebt! – Pfui doch! umarmeNicht so unsanft Saturnius.(sie eilt davon.)(Simfonie.)Zweyte Scene.(Der vorige Saal.)Plözliche Klarheit.Zevs (in Jünglings Gestalt.) Merkur (in Entfernung.)Zevs.Sohn Maja!Merkur (kniend mit gesenktem Haupt.)Zevs!Zevs.Auf! Eile! SchwingDie Flügel fort nach des Skamanders Ufer,Dort weint am Grabe seiner SchäferinEin Schäfer – Niemand soll weinenWenn Saturnius liebet –Ruf die Tode ins Leben zurük.Merkur (aufstehend.)Deines Hauptes ein allmächtiger WinkFührt mich in einem Huy dahin, zurükIn einem Huy –Zevs.Verzeuch! Als ich ob Argos flog,Kam wallend mir ein Opferdampf entgegenAus meinen Tempeln – das ergözte mich,Daß mich das Volk so ehrt – Erhebe deinen FlugZu Zeres meiner Schwester – so spricht Zevs, –Zehntausendfach soll sie auf fünfzig JahrDen Argiern die Halmen wiedergeben –Merkur.Mit zitternder EileVollstrek ich deinen Zorn – mit jauchzenderAllvater deine Huld; denn Wollust istsDen Göttern Menschen zu beglüken, zu verderbenDie Menschen ist den Göttern Schmerz – Gebeut!Wo soll ich ihren Dank vor deine Ohren bringen,Nieden im Staub, oder droben im Göttersitz?Zevs.Nieden im Göttersiz! – Im PallasteMeiner Semele! Fleuch!(Merkur geht ab.)– – – – – – – Sie kommt mir nicht entgegenWie sonst, an ihre wollustschwellende BrustDen König des Olympus zu empfangen?Warum kommt meine Semele mir nichtEntgegen? – Oedes – todes – grauenvolles SchweigenHerrscht rings umher im einsamen Pallast,Der sonst so wild und so bachantisch lermte –Kein Lüftchen regt sich – auf Zythärons GipfelStand siegfrohlokend Juno – ihrem ZevsWill Semele nicht mehr entgegen eilen – – –(Pause, Er fährt auf.)Ha! sollte wohl die Frevlerin gewagtIn meiner Liebe Heiligthum sich haben? –Saturnia – Zythäron – ihr Triumf –Entsezen Ahndung! – Semele – – Getrost! –Getrost! Ich bin dein Zevs! Der weggehauchte HimmelSolls lernen: Semele! Ich bin dein Zevs!Wo ist die Luft, die sich erfrechen wollteRauh anzuwehn, die Zevs die seine nennt? –Der Ränke spott ich – Semele, wo bist du? –Lang schmachtet’ ich mein weltbelastet HauptAn deinem Busen zu begraben, meine SinnenVom wilden Sturm der Weltregierung eingelullt,Und Zügel, Steur, und Wagen weggeträumt,Und im Genuß der Seligkeit vergangen!O Wonnerausch! Selbst Göttern süßer Taumel!Glüksel’ge Trunkenheit! – Was ist Uranos Blut,Was Nektar und Ambrosia, was istDer Thron Olymps, des Himmels goldenes Zepter,Was Allmacht, Ewigkeit, Unsterblichkeit, ein Gott?Ohne Liebe?Der Schäfer, der an seines Stroms GemurmelDer Lämmer an der Gattinn Brust vergißt,Beneidete mir meine Keile nicht.Sie naht – Sie kommt – O Perle meiner WerkeWeib! – Anzubeten ist der Künstler, derDich schuf – – Ich schuf dich – bet mich an,Zevs betet an vor Zevs, der dich erschuf!Ha! wer im ganzen Wesenreiche, werVerdammet mich? – Wie unbemerkt, verächtlichVerschwinden meine Welten, meine stralenquillendenGestirne, meine tanzenden Systeme,Mein ganzes großes Saitenspiel, wie esDie Weisen nennen, wie das alles todGegen eine Seele?Semele (kommt näher ohne aufzuschauen.)Zevs.Mein Stolz! Mein Thron ein Staub! O Semele!(fliegt ihr entgegen, sie will fliehen.)Du fliehst? – Du schweigst? – Ha! Semele! du fliehst?Semele (ihn wegstoßend.)Hinweg!Zevs (nach einer Pause des Erstaunens.)Träumt Jupiter? Will die NaturZu Grunde stürzen? – so spricht Semele? –Wie, keine Antwort – Gierig strekt mein ArmNach dir sich aus – so pochte nie mein HerzDer Tochter Agenors entgegen, soSchlugs nie an Ledas Brust, so brannten meine LippenNach Danaes verschloßnen Küssen nieAls jezo –Semele.Schweig Verräther!Zevs (unwillig zärtlich.)Semele!Semele.Fleuch!Zevs (mit Majestät sie ansehend.)Ich bin Zevs!Semele.Du Zevs?Erzittre Salmoneus, mit Schreken wirdEr wiederfodern den gestohl’nen SchmuckDen du gelästert hast – Du bist nicht Zevs!Zevs (groß.)Der Weltbau dreht im Wirbel sich um michUnd nennt mich so –Semele.Ha! Gotteslästerung!Zevs (sanfter.)Wie, meine Göttliche? Von wannen dieser Ton?Wer ist der Wurm der mir dein Herz entwendet?Semele.Mein Herz war dem geweyht, deß Aff du bist –Oft kommen Menschen unter GötterlarveEin Weib zu fangen – Fort! Du bist nicht Zevs!Zevs.Du zweifelst? Kann an meiner Gottheit SemeleNoch zweifeln?Semele (wehmüthig.)Wärst du Zevs! Kein SohnDes Morgennimmerseyns soll diesen Mund berühren,Zevs ist diß Herz geweiht – – – O wär’st du Zevs!Zevs.Du weinest? Zevs ist da, und Semele soll weinen?(niederfallend.) Sprich, fodre und die knechtische NaturSoll zitternd vor der Tochter Kadmus liegen!Gebeut! und Ströme machen gählings Halt!Und Helikon, und Kaukasus und CynthusUnd Athos, Mykale, und Rhodope und Pindus,Von meines Winkes AllgewaltEntfesselt, küssen Thal und TriftenUnd tanzen Floken gleich in den verfinsterten LüftenGebeut, und Nord und Ost und WirbelwindBelagern den Allmächtigen Trident,Durchrütteln Posidaons Throne,Empöret steigt das Meer Gestad und Damm zu Hohne,Der Bliz prahlt mit der Nacht, und Pol und Himmel krachen,Der Donner brüllt aus tausendfachem Rachen,Der Ocean lauft gegen den Olympus Sturm,Dir flötet der Orkan ein Siegeslied entgegen,Gebeut –Semele.Ich bin ein Weib, ein sterblich Weib,Wie kann vor seinem Topf der Töpfer liegen,Der Künstler knien vor seiner Statue?Zevs.Pygmalion beugt sich vor seinem Meisterstücke –Zevs betet an vor seiner Semele!Semele (heftiger weinend.)Steh auf – Steh auf – O weh! mir armen Mädchen!Zevs hat mein Herz, nur Götter kann ich lieben,Und Götter lachen mein, und Zevs verachtet mich!Zevs.Zevs der zu deinen Füßen ligt –Semele.Steh auf!Zevs thronet über höhren Donnerkeulen,Und spottet eines Wurms in Junos Armen.Zevs (mit Heftigkeit)Ha! – Semele und Juno! – WerEin Wurm?Semele.O unaussprechlich glücklich wärDie Tochter Kadmus – wärst du Zevs – O wehDu bist nicht Zevs!Zevs (steht auf.)Ich bin’s! (rekt die Hand aus, ein Regenbogen steht im Saal.)(Die Musik begleitet die Erscheinung.)Kennst du mich nun?Semele.Stark ist des Menschen Arm, wenn ihn die Götter stüzen,Dich liebt Saturnius – Nur Götter kannIch lieben –Zevs.Noch! Noch zweifelst duOb meine Kraft nur Göttern abgeborgetNicht Gottgebohren sey? – Die Götter, Semele,Verleih’n den Menschen oft wohlthätige Kräfte,Doch ihre Schreken leihen Götter nie –Tod und Verderben ist der Gottheit Siegel,Tödend enthüllt sich Jupiter dir!(er rekt die Hand aus. Knall, Feuer, Rauchund Erdbeben. Musik begleitet hier undin Zukunft den Zauber.)Semele.Zieh deine Hand zurük! – O Gnade! Gnade!Dem armen Volk! – Dich hat SaturniusGezeuget –Zevs.Ha! Leichtfertige!Soll Zevs dem Starrsinn eines Weibes wohlPlaneten drehn, und Sonnen stillsteh’n heißen?Zevs wird es thun! – Oft hat ein GöttersohnDen feuerschwangern Bauch der Felsen aufgerizt,Doch seine Kraft erlahmt in Tellus Schranken;Das kann nur Zevs!(er rekt die Hand aus, dieSonne verschwindet, es wirdplözlich Nacht.)Semele (stürzt vor ihn nieder.)Allmächtiger! – O wennDu lieben könntest! (es wird wiederum Tag)Zevs.Ha! die Tochter Kadmus fragtChronion, ob Chronion lieben könnte?Ein Wort, und er wirft seine Gottheit ab,Wird Fleisch und Blut, und stirbt und wird geliebt.Semele.Das thäte Zevs?Zevs.Sprich, Semele, was mehr?Apollo selbst gestand, es sey EntzükenMensch unter Menschen seyn – Ein Wink von dir! Ich bins!Semele (fällt ihm um den Hals.)O Jupiter, die Weiber Epidaurum scheltenEin thöricht Mädchen deine SemeleDie von dem Donnerer geliebet, nichtsVon ihm erbitten kann –Zevs (heftig.)Erröthen sollenDie Weiber Epidaurum! – Bitte! Bitte nur!Und bei dem Styx, deß schrankenlose MachtSelbst Götter sklavisch beugt – Wenn Zevs dir zaudert,So soll der Gott in einem einz’gen NuHinunter mich in die Vernichtung donnern!Semele (froh aufspringend.)Daran erkenn ich meinen Jupiter!Du schwurest mir – der Styx hat es gehört!So laß mich dann nie anders dich umarmenAls wie –Zevs (erschroken, schreyend.)Unglükliche halt ein!Semele.Saturnia –Zevs (will ihr den Mund zuhalten.)Verstumme!Semele.Dich umarmt!Zevs (bleich, von ihr weggewandt)Zu spät! Der Laut entrann! Der Styx! Du hast den TodErbeten Semele! –Semele.Ha! So liebt Jupiter?Zevs.Den Himmel gäb’ ich drum, hätt’ ich dich minder nurGeliebt! (mit kaltem Entsezen sie anstarrend.) du bist verloren –Semele.Jupiter!Zevs (grimmig vor sich hinredend.)Ha! merk ich nun dein Siegfrohloken, Juno?Verwünschte Eifersucht! – O diese Rose stirbt!Zu schön – O weh! Zu kostbar für den Acheron!Semele.Du geizest nur mit deiner Herrlichkeit!Zevs.Fluch über meine Herrlichkeit, die dichVerblendete! Fluch über meine Größe,Die dich zerschmettert! Fluch! Fluch über mich!Daß ich mein Glük auf morschen Staub gebaut!Semele.Das sind nur leere Schrecken, Zevs, mir bangtVor deinem Drohen nicht!Zevs.Bethörtes Kind!Geh – nimm das lezte Lebewohl auf ewigVon deinen Freundinnen – nichts – nichts vermagDich mehr zu retten – Semele! ich bin dein Zevs!Auch das nicht mehr – Geh –Semele.Neidischer! der Styx!Du wirst mir nicht entschlüpfen.(sie geht ab.)Zevs.Nein! triumfiren soll sie nicht. – ErzitternSoll sie – und kraft der tödenden Gewalt,Die Erd und Himmel mir zum Schemel macht,Will an den schrofsten Felsen ThraziensMit diamantnen Ketten ich die Arge schmieden,Auch diesen Schwur –Merkur erscheint in Entfernung.Was will dein rascher Flug?Merkur.Feurigen geflügelten weinenden DankDer Glüklichen –Zevs.Verderbe sie wieder!Merkur (erstaunt.)Zevs!Zevs.Glüklich soll niemand seyn!Sie stirbt –(Der Vorhang fällt.)Y.