Wenn ich so bei dem Pflänzchen steh’,
Es wachsen und erblühen seh’,
Auf zarten Wurzelfüßen,
Wenn es die Düfte, die es haucht,
Wie leise Liebesworte braucht,
Die Nachbarin zu grüßen:
So ist mir wahrlich dann zu Muth,
Als wüßt’ ich, wie das Blühen thut.
Schau’ ich, wie sich der Bach bewegt,
Wie er von Sehnsucht still erregt,
Die Braut, die Flur umschlinget;
All überall willkommner Gast,
Er dennoch immer sonder Rast
Fort in die Weite dringet:
So wird mir wahrlich dann zu Muth,
Als ob ich sonst des Baches Fluth.
Hab’ ich dem Vöglein zugeschaut,
Wie emsig es sein Nestchen baut,
Wie treu das Weiblein brütet,
Und wie das Männlein kost und singt
Und ihm die besten Würmchen bringt,
Und Weib und Junge hütet:
So wird mir immer dann zu Muth,
Als kennt’ ich jene Zeit der Brut.
Seh’ ich, wie sich der Adler hebt,
Ist mir, als hätt’ ich auch geschwebt,
Hoch über Berg und Heiden.
Hör’ ich des Schwanes letztes Lied,
Seh’ wie der Kranich heimwärts zieht,
Auf daß sie von uns scheiden:
So wird mir immer dann zu Muth,
Als kennt’ ich beider Heimath gut.
Wenn sich die Raupe längst verspann,
Und in der engen Puppe dann
Geheimes Leben waltet,
Des Sarges Riegel endlich springt,
Der Schmetterling zu Tage bringt,
Und auf die Flüglein faltet:
So mir dann, als ob aus Nacht
Ich auch einmal so schon erwacht.
Und deßhalb scheint mir offenbar
Der Seelenwandrung Lehre wahr;
Wo möcht’ ich sonst es lesen:
Was Vogel, Blum’ und Bach erfüllt,
Wie sich der Schmetterling enthüllt,
Wär’ ich’s nicht selbst gewesen?
Wie? — oder ist mir so zu Muth
Weil mir die Welt im Busen ruht? —
