ut mihi saepe
Bilem, saepe jocum vestri movere tumultus!
Hor.
Der edle Saurin der ein guter Hirt
In Gottes Heerden, und kein Mietling war,
Kein fauler Bauchpfaff, (solcher harret auch
Der strengen Jamben schneller Geisselschwung)
Der Mann deß Lippen Sina’s Donner bald
Entschollen, bald ein milder Thau enttriefte,
Der klagte, daß der fromme Priester nicht
Die reine Wahrheit stets mit strengem Mund
Verkündigte. Wenn ihn, so sprach er einst,
Auch Eigennuz und feige Furcht nicht hält,
So hält ihn oft das menschliche Gefühl,
Und wenn sein Auge schon den Abgrund siehe
Der weit sich öffnet um den Sterbenden
Hinabzuschlingen, welcher wie ein Wurm
Schon an des Arztes Angel bang sich krümmt,
Wenn er das Schrecken siebenfältig nun
Vergrössern solte: hält der stumme Gram
Des Vaters, und des Bruders starrer Blick,
Der Mutter Händeringen, und das Weib
Gestürzt in Ohnmacht ihm die Lippen zu,
Und öffnen sie sich zitternd, so entquillt
Verheissung wider Willen seinem Mund,
Wenn ihm der Sünder mit erstorbner Kraft
Und bangem Blick, die dürre Rechte reicht.
Das widerfährt dem edlen Dichter auch,
Wenn Nachruhmsüchtig, keichend von der Höh
Des Hügels, welcher ihm ein Pindus schien,
Ein Jüngling mit Zahnarztes Lungen ihm
Die schwülst’ge Ode aus gehöhltem Mund
Vordonnert, oder Elegien weint.
Zwar bleibt er bey dem wilden Ungestüm,
Wie bey der Traufe der Empfindung kalt,
Die Tropf auf Tropf dem armen Tropf entfällt;
Bleibt ungerühret wie Ismene die
Ein Hirnstgespinst des Dichterlinges ist,
Wiewohl in dem stolpernden Hexameter
Sein Ach! und hinkendem Pentam’ter tönt;
Bleibt unerschüttert vor dem Dichterling,
Wie vor dem Odenwetter der Tirann,
Den seine Fantasey vom Thron ’rab stürzt.
Doch wenn ihn auch das lange Lied nicht rührt,
So fühlt er doch des Jünglings Todesschaur,
Wenn heimlich die Vergessenheit ihn schrekt;
Es jammert ihn des Schweißes seiner Stirn,
Des Zitterns seiner Glieder, und des Stammelns
Der Lippe, ihn der Fieberglut, der Angst,
Mit welcher schwerarbeitend er sich müht.
Auch weiß er, daß er nur vergebens ihn
Noch warnen würde, ja, wofern er ihn
Auch diesmal überzeugte, würde doch
Sein Sieb von neuem in der Musen Quell
Getaucht, sein Stein hinan des Pindus Höh
Gewälzet. Weil er denn nicht warnen will,
Nicht schweigen darf, so lobt er in der Angst.
So hab’ ich manchesmal, (Verzeih es mir
O Wahrheit, wenn ich dich aus Angst verlezte,)
Gejähnet und gelobt. Ein Widerruf
Sei dieses Blatt, das mich der Schwäche zeiht,
Und zürnen doch die strengen Musen mir,
So sühne mich das Beispiel ihres Freundes.
Zu Lessing kam ein Jüngling, las ihm vor,
Und schläferte ihn ein — Ich sehe wohl,
Sie jähnen, nur noch ein Gedicht! wofern
Sie Hipochonder auch wie Gellert wären,
Sie stürben doch vor Lachen! — Lesen Sie,
Sprach Lessing, jähnte, schlief. Es fand indem
Der Jüngling eine Elegie — die muß
Ich erst noch lesen! jeden rührte sie,
Selbst unsern Bürgermeister. Weil er las
Erwachte Lessing wieder, lachte laut,
Ha! Ha! Ha! Ha! ich muß es selbst gestehn,
Das ist zum Lachen! bravo! bravo, Freund!
Der Jüngling roth und blaß: dies war noch nicht
Das Scherzgedicht, ich las die Elegie —
So, Elegie? Sie haben mich zum Narren!
Rief Lessing, aber lesen Sie nur fort!
Sprachs, jähnte, schlief. Der rasche Jüngling las,
Und läse noch, wofern der gute Tod
Sich Lessings nicht erbarmet hätte, denn
Kein Nieswurz treibet diese Narrheit aus!
