Es hat ſich gegen Liebe die Vernunft ermannt,
Und als Empörungsfahne Weisheit aufgeſteckt.
Die Liebe hat zum Angriff einen Hauch geſandt,
Und die Vernunft hat zitternd das Gewehr geſtreckt.
Hätte zu einem Traubenkerne
Mich nur doch der Himmel beſtimmt!
Niemand kenn’ ich nah und ferne,
Der ſo ganz im Genuſſe ſchwimmt.
Trinke bei des Lebens Feſte
Ein paarmal, und geh hinaus.
Das ſind unbeſcheidne Gäſte,
Die hier fordern ew’gen Schmaus.
Sieh, der Schöpfung Roſenbeet
Wird nie von Gewächſen leer:
Wenn von hinnen eines geht,
Kommt das andre friſch daher.
Wehe dem, der zu ſterben geht,
Und keinem Liebe geſchenkt hat,
Dem Becher, der zu Scherben geht,
Und keinen Durſt’gen getränkt hat.
Zürne nicht des Herbſtes Winde,
Der die Roſen raubet,
Sondern Roſen geh geſchwinde
Pflücken, eh’ er ſchnaubet.
Im Frühling, im freundlichen Kreiſe,
Aus ſchöner Schenkenhand
Das Glas zu nehmen, iſt weiſe,
All’ Andres iſt Unverſtand.
Durch Schaden wird man klug,
Sagen die klugen Leute.
Schaden litt ich genug,
Doch bin ich ein Thor noch heute.
Wecke nicht den Schlafenden von ſeinem Traume!
Weißt du ob im weiten Raume
Du ſo ſchönes zum Erſatz ihm könnteſt zeigen,
Als ihm nun ſein Traum gibt eigen?
O Wahrheit, deinen edlen Wein
Mußt du mit Waſſer miſchen;
Denn willſt du ihn rein auftiſchen,
So nimmt er den Kopf den Gäſten ein.
Man kann den Schmetterling in die Puppe
Zurück nicht zwingen;
Wir ſind beim Braten, wer will die Suppe
Uns wieder bringen?
Wie ihr möget die Karten miſchen,
Ordnen und wägen, gebet Acht!
Leiſe tritt ein Ereignis dazwiſchen,
Das eure Weisheit zu Schanden macht.
Mit Recht hältſt du dich ſelber hoch,
Dein Käufer dingt herunter doch.
Für was du auch dich ſchlägeſt an;
Man nimmt für mehr dich nicht, als man dich brauchen kann.
Die Proſa bringt kein Werk hervor,
Wie groß es ſei, es wird ein Bruchſtück bleiben;
Die Poeſie kann nicht vier Zeilen ſchreiben,
Sie ſind ein Ganzes dir im Ohr.
Wie ſeinen Raub der Adler ſcharf,
Siehſt du ſoviel dein Herz bedarf.
Nebelſtern und Räderthier
Gehören nicht in dein Revier.
Willſt du ſcherzen, trinken, lachen,
Sei von unſerm Schmaus!
Wenn du ein Geſicht willſt machen,
Thu’s in deinem Haus.
Die Rebe kann nicht im weiten Raum
Suchen den Stamm nach ihrem Behagen;
Sie windet ſich um den nächſten Baum,
Und läßt ihn ihre Trauben tragen.
Der Sonne würd’ unerträglich werden
Der Anblick all des Schlechten auf Erden,
Wenn nicht ein Theil der ſchlechten Geſellen
Sich gut müßten ſtellen.
Wenn vor dem Weine das Kopfweh käme,
Man billig davor in Acht ſich nähme;
Aber ſo kommt es hinterdrein,
Und wer dächte daran beim Wein?
Klage nicht, daß dir im Leben
Ward vereitelt manches Hoffen.
Hat was du gefürchtet eben
Doch auch meiſt dich nicht betroffen.
