Inhalt
Eros, erbittert über das Fehlschlagen aller seiner Plane, Nordfrank zu bethören, verläßt das Wirthshaus in Lauterbrunnen, wo er mit Hermes eingekehrt war, und alle Zimmer, bis auf ein einziges, in Beschlag genommen hatte. Der Held begiebt sich noch vor Sonnenaufgang zum Staubbach, wo er sich feierlich der Vollendung seiner Führung weiht. Die schon bei seiner Zurükkunft aufgestandenen Jungfraun machen sich reisefertig. Die Bergwanderung beginnt. Uneingedenk der Warnung des Führers übereilen sich die Schwestern im Hinaufgehn, und sinken auf der Mitte des Wengerbergs erschöpft zu Boden. Der Held sucht Wasser, sie zu erquikken, mit Lebensgefahr. Höheres Aufsteigen. Als sie schon die Alp erreicht zu haben glauben, werden sie im weiteren Fortsteigen durch eine gähnende Felskluft gehemmt. Nordfrank beschließt, die Drei nach einander hinüber zu tragen, nachdem sie sich die Augen zugebunden. Er hat schon die Zwei glüklich jenseits hinübergebracht, als er die Lezte, die Geliebte, hebend in Wallung geräth, und an der gefährlichsten Stelle, von dem durch Eros herbeigeführten Schwindel, so betäubt wird, daß er taumelnd am Rande des Abgrunds zurük bebt, und, hinsinkend, die geliebte Bürde fallen läßt. Beschreibung des Schwindels. Myris fällt in Ohnmacht neben dem hingesunkenen Führer.
Dort nun ruheten, nahe dem Ziel der begeisterten Wandrung,
Nur durch das Scheidegebirg getrennt vom Throne der Jungfrau
Sanft in der wirthlichen Hütte zugleich mit dem Führer die Mägdlein.
Aber es wachte, noch immer, gesellt zum beleidigten Bruder,
Eros, der Lose, nun selber gereizt, aussinnend ein neues
Nicht fehlschlagendes Mittel zur Rache, nachdem schon dreimal
Seine verschlagene Rank’ an der Unschuld Busen gescheitert.
Viel schon hatt’ er gehofft von der wunderberüchtigten Grotte,
Als er dort sie zusammengebracht. Ihm schien noch das kleinste
Wunder von allen zu seyn, was er schon frohlokkend vorhersah,
Als, ihm nach, in die Höle zum Liebenden flog die Geliebte,
Glühend dem Glühenden nah. So ward noch nie er betroffen,
Seit ihm Herakles kehrte die Fers, und der winkenden Wollust,
Auf dem entscheidenden Weg, wie jezt, da schnell, wie der Steinbok
Dem sich ein Jäger genaht, die Jägerin floh in der Felskluft
Nordfrank. Ach! und der Schmach! Er, Eros, mußte herausfliehn!
Weil ihm ein Strahl aus der inneren Höl’ umblizte das Auge,
Als dort jenem erschien glanzhell Uranias Antliz.
Auch war umsonst ihm ersonnen der Streich, im einsamen Gasthof
Jene zu betten. Daß solches sich traf, war nimmer ein Zufall;
Eros betrieb’s. Denn gleich zum Hermes, welcher in Neuhaus
Wartete, während der Fahrt auf dem See, war jener geflogen
Aus der erhelleten Grott’; und hier, noch wenig verzagend,
Sann auf erneuete Tükke sein unerschöpflicher Scharfsinn.
Schnell, als der Bruder dem Plan genehmiget, schufen sich beide
Menschengestalten, und strozendes Gangs, zween reisenden Bernern
Aehnlich, erreichten sie Früh in Lauterbrunnen das Gasthaus,
Nehmend es ganz in Beschlag, bis auf ein einziges Zimmer.
Ungeduldig erwarteten dort der gewanderten Ankunft
Beide. Wie freuten sie sich der Verlegenheit! wie des Entschlußes
Nordfranks; aber vor allem des vielversprechenden Fußbads!
Ganz unmöglich, behaupteten sie, gelang es dem Jüngling
Ohne Verlezzung der führenden Pflicht und des heiligen Eidschwurs,
Sich aus der Schlinge zu ziehn. Auch war’s ein glänzendes Wunder,
Aufbehalten dem Dichter allein, den Uranias Antliz
In der erhabensten Stunde der heiligen Weihe bestrahlte.
Also geschah’s; und umsonst erwarteten dort die Verschwornen
Alle Minuten die Treppen hinab der holden Verschüchterung
Zuflucht suchend, entfliehend dem pflichtvergessenen Führer.
Denn deß waren sie beide gewiß, daß auch der geringste
Kühnere Blik, der kleinste Verstoß im Betragen des Führers
Fernen würde von ihm sogleich die entrüstete Mägdlein,
Und der erhabnen Uranias Schuz. Als alles so sittsam,
Unbefangen, und still ablief in ruhiger Unschuld,
Hemmte nicht länger des Grams Ausbruch der betrogne Betrüger.
Also sprach, zu dem Bruder gewandt, sein tobender Unmuth:
Wehe! wie glüht auf der Wange mir Scham! wie brennt in der Brust mir
Zornwuth! Bin ich ein Himmlischer noch? wie? bin ich ein Gott noch,
Zeus des Alpenerschütterers Sohn und Idalias? Traum’ ich?
Höhnte den Eros ein Sterblicher je, was sag’ ich? ein Gott selbst,
Ungeahndet? o Schmach! o Entwürdigung! bin ich denn nichts mehr,
Daß mit dem Pfeil der Verblutende spielt? mit dem Pfeil, der im Busen
Giftig ihm brennt, nichts achtend den Schmerz, und verachtend die Kühlung?
Dort nun ruhet er oben, geborgt, mir Wüthenden trozzend
Neben den Holden, umduftet vom Hauch der rosigen Unschuld!
Schlaft, derweil ich wach’, und genießt des Triumphes noch einmal!
Sieh! denn es führt vorüber im Traum dem Seligen langsam,
Leicht an einander gereiht die zerstreueten Bilder der Wandrung,
Ach! und des Eros verlorenes Spiel, die homerische Muse!
Dulden soll ich noch dies, daß kund der spätesten Nachwelt
Werde sein Sieg, der vollendete Zug, und meine Beschämung?
Dulden, daß einst in der Schul’ unbärtige Jungen, die Sprache
Lernend, zugleich auswendig gelernt auch wissen, wie forthin
Ihn zu besiegen die Macht des götterbeherrschenden Eros?
Schön, wenn die Sterblichen solches gelernt! wenn erführe die Menschheit,
Daß noch höhere Wonnen es geb’, als Wonnen der Liebe,
Höheren Schwung, als der Flug, den meine Begeisterung anflammt,
Und, daß ein einziger Strahl von Uranias Helle mich flüchte!
Nein! eh dies ich erduld’, ein Gespott der Knaben und Magdlein,
Werde das lezte gewagt, das Aeußerste! Noch ist das Ziel nicht
Jenem erreicht; noch weit ist von hier zum Altare der Jungfraun!
Noch ist übrig das Fest der Chariten; noch ist dem Bergquell
Nimmer, dem Wolkenverborgnen, genaht; noch fehlet der Proben
Lezt’, und der winkende Kranz der bestandenen! Vieles errangst du;
Aber noch mehr ist zurük dir, Trozziger! jauchze zu früh nicht!
Also sprach er, und glühte vor Zorn, und winkte dem Bruder
Schnell, mit bedeutendem Blik! mittheilend den neuen Gedanken,
Der in dem Sturme des Grolls, wie ein leuchtender Stern ihm aufgieng.
Und in der eignen Gestalt nun gehüllt enteileten Beide.
Aber es drang durch die Scheiben hinein ins heimliche Zimmer
Dämmerndes Strahls, aufwekkend den Held, der erwachende Morgen.
Horch! und es zwitscherten hell in der Luft die entschlummerten Vöglein.
Leis entstieg er dem Lager der drei gekehreten Stühle,
Das ihm der Chariten Nah’, und des Traums holdselige Zaubrung
Hatte beblumt, und mit Rosen erweicht zum sanftesten Flaumbett.
Kaum hinwagend den Blik zu den süß noch schlummernden Holden,
Schlich er auf Zehn durch das Zimmer, und öffnete leise die Thüre.
Jezzo verschloß er von außen, und stieg hinunter die Treppe.
Aber die Wirthin, welcher er hier vertraute den Schlüssel,
Bittend, nachher zu wekken die Jungfraun, bringend das Frühstük,
Meldete schluchsend, wie jene zuvor anlangende Fremde,
Welche für sich zwo Zimmer bestellt, noch während der Nachtzeit,
Ohne zu zahlen, davon sich gemacht. Sie beklagete weinend,
Daß sie die ersten gewesen, und so zu der besseren Wohnung
Hatten das Recht, der Bernergewalt auch nicht zu gedenken;
Klagte des einsamen Stands als Wittw’, und steigender Theurung
Jegliches Jahrs, und entschuldigte sehr die schlechte Bewirthung.
Mitleidvoll, als zu End’ er gehört der Betrognen Erzählung
Bot er sich an für die beid’ Entflohnen alles zu zahlen,
Fodernd die Rechnung gesammt; und enteilte dem weinenden Dankstrom.
Aber es folgte der Segen ihm nach des verborgenen Wohlthuns.
Träumt er doch nicht, was er that, für Nebenbuhler die Zeche
Zahlend zugleich, und entrichtend die Schuld unsterblicher Götter.
Jezt auf das Hügelchen eilet er hin zum winkenden Staubbach,
Morgenopfer zu bringen dem Gott in der rosigen Dämmrung.
Feierlich stand er, und schwieg. Doch in Eil abwerfend den Leibrok,
Sprang er hinab in das hohle Bezirk, wo von oben daherstürzt
Hochabdonnernd im Fall der in Nebel zerfließende Felsstrom.
Hier nun stand er, und hub mit entblösetem Haupte gen Himmel
Hoch durch die badende Wolke den Arm, und schwur bei der Taufe
Dieser ätherischen Flut, sein Herz stets rein zu bewahren,
Dir, o Foibos! Urania, dir! und Eurynomes Töchtern.
Also badet’ er, kühlend die Brust und den lokkigen Scheitel
Dort in dem regnenden Strom; und weihte sich so der Vollendung
Seines erhabnen Geschäfts, und der schiksalvollen Bestimmung.
Aber wie jezt aus dem Nebel er trat in den trokneren Luftraum,
Drang in die Oeffnung des Thals ein Blik der steigenden Sonne,
Zundend (so schiens) die Beflüglung des Bachs. Es erglänzte mit einmal
Hell der bestrahlete Guß, wie ein felsabwallender Lichtstrom.
Wie von des Himmels erhabnem Gewölb zum umnachteten Erdpol,
Gleichsam mit Sternen gestikt, des Nordscheins schillernder Gürtel
Helldurchsichtig, zum flatternden Schweif entfaltet, herabhängt;
Also hieng der entzündete Strom, und im glänzenden Nebel
Prangte mit jeglicher Blüthe des Lichts der farbige Bogen.
Noch ein weniges weilte der Held dem entzükkenden Anblik;
Eilte dann, kehrend, zurük zu den aufgestandenen Jungfraun,
Welche, des Tages Erwartungen voll, beim bereiteten Frühmal
Brannten vor Ungeduld, den erhabenen Zwek zu erreichen.
Als sie nun alle das Herz sich gestärkt und ermuntert die Seele,
Füllte die Wirthin das Körbchen mit Brod, glükwünschend zur Bergfahrt
Stekkend dabei, mit dem Becher, ein binsenumflochtenes Fläschchen
Kirschgeistvoll; und es schnurten nunmehr ihr Bündel die Jungfraun.
Aber es lud sich der Führer mit Lust das ganze Gepäk auf.
Nehmend zugleich in die Hand den langen geschnabelten Alpstok,
Leicht und stark und gediegen, ein Meisterstük des gelähmten
Steinbokjägers, der einst ihn über die Spizzen Adulas
Hoch zu den Quellen des Rheins wegweisete, lassend den Stok ihm
Dort, nach vollendetem Zug zur Erinnerung mancher Errettung.
Jen’ auch banden sich unter die Schuh’ ankrampende Sohlen,
Rings die Gewand’ aufschurzend, daß nicht nachschleppend die Borde
Solche sie hindr’ in dem Gang; und begaben sich also gerüstet,
Unter des Führers Geleit auf den Weg. Es ruhte das Thal noch
Schattengehüllt, im kühligen Duft des thauigen Morgens;
Und es umfloßen der Wandernden Brust kaltwehende Schauer.
Bald gelangten sie, eilendes Gangs, zum trennenden Bergstrom,
Welcher, nachdem er gespaltet den Berg, (Jahrtausende bohrt’ er
Gegen den Fels, bis er barst) in der Mitte des engen Gebirgthals,
Tief, wildwogig, und schnell, acherontische Brandungen fortrollt.
Lütschenen nennt ihn das Thal, die Weiße, weil er die Schaumflut
Schneeweiß treibt durch den dunkelen Schlund des dröhnenden Felsbetts.
Ueber den graunvoll donnernden bebt ein hölzerner Bogen;
Und auf den Bebenden trat, selbst bebend, jezzo der Nordfrank,
Führend die zitternden Drei. Hier weilend zeigt er den Holden
Gegenüber die drohende Wand des dunkelen Vorbergs;
Tschuggen genannt, an welcher hinauf labyrinthischer Irre
Strebt, von den Ziegen gebahnt, der Steig zum verborgenen Scheidek.
Und zu den Staunenden sprach der alpenbewanderte Führer:
Lilienarmige Tochter Uranias, alpengebohrne
Schwestern, Cynthia, Daphn’ und Myris, liebliches Anschauns!
Zeiget anizt den helvetischen Muth, Unsterblichen wirdig!
Izzo beginnet die Müh, und der Wandrung kühnere Wendung,
Jezzo das Steigen hinauf, das Unendliche; jezzo der Berggang
Hoch durch geschmetterte Wälder, auf glitschenden Pfaden, am Abhang
Schroffer Gebirg’, in der Spur des einsam weidenden Aelplers,
Nimmer betreten von Söhnen der Ebn’ und städtlichen Töchtern.
Nur ein Spiel war bisher die Wanderung, nur ein Spaziergang.
Jezt, holdselige, gilt es Geduld, und beharrliche Kühnheit!
Wählt! ich warne noch jezt; noch leicht von hier ist der Heimweg;
Oben verwandelt in Sturz sich zu spät beschlossene Rükkehr.
Sprachs. Es erwiederten alle zugleich mit vereinigtem Ausruf:
Steige voran! wir folgen! uns Jungfraun winket die Jungfrau!
Sind schon zarter die Füße, sie tragen auch leichtere Bürden!
Kaum war den Lippen entströmt der entschloßnen Begeisterung Antwort,
Als schon über die Brück’ im leichtesten Schwunge mit einmal
All’ im geflügelten Hall hinschwebeten, fliegendes Anbliks.
Also schießt im melodischen Schwung durch getheilete Lüfte
Lieblich dem Auge dahin ein Flug weisglänzender Schwane.
Bergwärts gieng nunmehro der Zug, doch mähliges Steigens;
Durch die zerstreuete Hütten des Thals, auf blumigen Wiesen,
Zwischen hohen Kastanien rings, und belasteten Bäumchen
Mannigfaltiger Frucht, in hesperischer Gärten Umschattung.
Hügel hinauf und Hügel hinab in lieblicher Biegung
Hob sich, und senkte sich sanft des Gebirgthals wallender Busen,
Halb umschleiert noch stets von dem Flor weisflatternder Nebel.
Vögelchen flogen und sangen umher; aus jeglichem Wipfel
Flüsterte leises Gezwitscher der Brut von erwachenden Nestern,
Lieblich vereint mit der Bäche Geschwaz und der Zweige Gelispel.
Sieh! und es tanzten vor Wonne den Pfad die horchenden Mägdlein.
Oft auch stimmte die ein’ um die andr’ ein munteres Lied an
Mischend den holden Gesang mit der ringsum trillernden Gegend.
Aber unmerklich erhob sich der hüglichte Boden, und Anhöhn
Sanken auf Anhöhn, Waldung auf Wald, und Gärten auf Garten,
Tiefer und tiefer, bis gänzlich versank die hesperische Gegend,
Und mit der blühenden jedes Geräusch des tönenden Lebens.
Schon verhallt’ in der Tiefe des Stroms dumpfrollender Donner;
Schon verstummte der Vogel Gesang und der Bäche Geriesel;
Nur noch ein Quellchen murmelte leis abgleitend der Bergwand;
Und mit Gerassel entrollte von Zeit zu Zeit der Erschüttrung
Oben ein plötzlich gelöseter Stein, erhöhend die Stille
Durch das verschwundne Geräusch. Es schwieg die erhabnere Schöpfung.
Stiller auch wurden sie selbst, und lautlos schritt der Gebirgzug
Hörend den eigenen Tritt durch den weithinschweigenden Felswald.
Rauher und rauher nun wurde der Pfad. Durch zersplitterte Haufen
Ungestalteter Zwerge von Kien voll Narben des Donners.
Giengs auf zerbrokkelte Schiefer, und Schutt entstürzter Geblokke
Jäher hinauf, nicht ohne Gestöhn und häufiges Stillstehn.
Wie wenn ein siegender Trupp herschreitet, müde vom Siegskampf
Ueber das Feld des geschlagenen Heers, durch flüchtige Haufen,
Niedertretend den Rest des zerstöreten feindlichen Lagers:
Rings auf zermalmeter Rüstungen Schutt, auf geworfenen Schilden,
Auf Leichnamen und gräßlich umher zerstreueten Gliedern,
Schreiten sie blutiges Pfads und der Schweis entströmet den Stirnen.
Also schritt der ermüdete Zug durch die Trümmer des Tschugans.
Rechts und links lag bodengestrekt ein Riese des Bergwalds,
Hier die vom Donner gespaltete Ficht’, und dort mit dem Wipfel
Unten, den Stamm in die Höh’, ein orkangeschleuderter Lerchbaum.
Mehrere Tannen, entstürzt dem Gebirg’ mit den felsigen Wurzeln,
Sperrten mit nakten Gerippen den Weg, daß kaum an dem Abhang
Schräge noch wand sich ein Pfad, mit Gefahr ausweichend der Trummrung.
Unter der Schiefer Gebrökkel entfloß der eisernen Felswand
Röthlich in blutigen Striemen die ringsvorquellende Bergfluth.
Oben drohte mit jähligem Sturz der Firsten Verwittrung,
Wie wenn ein Donnergebirg voll Nacht vom Himmel herabhängt.
Um und um war Verwüstung, und Graun, und entsezliche Oede.
Mehrmal hatten sich schon die erklimmenden Mädchen gelagert,
Troz des Begleiters erfahrenen Rath. Er warnte sie früh schon,
Nicht zu rasch zu beginnen hinauf den täuschenden Berggang.
Aber umsonst. Sie flogen den Weg leichtsinnig im Anfang,
Spottend des weilenden Führers, der oft tief unter dem Flug blieb.
Jezzo wie müd’ hinsanken die Knie’, und perlten die Stirne,
Mahnt’ er vergebens im Gang zu bleiben, und höchstens durch Stillstehn
Luft zu schöpfen, die sizzende Ruh ja muthig vermeidend.
Immer doch sezten sie sich, gereizt vom täuschenden Labsal,
Schöpften an jeglichem Quell, und erhuben sich immer noch müder,
Bis fast jede Bewegung die lässige Glieder versagten.
Jezt schon zählten sie jeglichen Schritt; es seufzete Daphne,
Cynthia stöhnt, und es strauchelte selbst die geflügelte Myris.
Ach, und noch immer hinauf, durch Schneefallschrunden, im Zikzak
Stieg, und stieg, und stieg, der endlos scheinende Bergpfad.
Nur ein Weniges folgten sie noch anstrengend der Kräfte
Lezt’, und den schwindenden Muth; dann sanken sie neben einander,
Hin auf den lokkeren Hang, des jäh’abschüssigen Kluftrains.
Unruhvoll ob der mißlichen Lag’ in der hangenden Wildniß,
Hier an der Mitte des Bergs, wenn ganz sich erschöpften die Jungfraun,
Sann auf erquikkende Mittel der Geist des sorgenden Führers.
Nirgend sprudelt ein Quellchen umher, kein rinnender Bach floß
Sichtbar oder auch hörbar herab in der starrenden Einöd’,
Aber im Schrunde des Bergs, zur Linken, gukt’ aus der Spaltung
Schwer zu erklimmen ein weißlicher Streif gesunkenes Bergschnees.
Diesem beschloß er zu nahn, noch während der Holden Betäubung,
Häufend vorher zu den Füßen Gestein hinlänglicher Schwere,
Daß nicht rutsche herab im Geroll ausgleitender Kiesel
An dem gefährlichen Hang die bewegliche Lage der Müden.
Und er entsprang; und erklomm den Schrund mit verworrener Kühnheit,
Wo vorgukte der Streif. Nicht anders schwingt sich ein Scharfschuz
Hoch von Geklipp’ auf Geklipp, wenn die Gems’ an der Spizze des Bergs winkt,
Wagend das Leben mit Lust, wenn erreicht nur werde die Schußhoh’.
Und es gelang. Mit der eisigen Last enteilt’ er zurük nun,
Werfend die Beut’ in Triumpf zu den brennenden Füßen der Holden;
Während dem Wurf, und dem bohrenden Tritt, die Kiesel des Steinbachs
Jählings mit Hagelgerassel entrolleten gellendes Nachhalls.
Schnell dann füllt’ er den Becher mit Eis; und tröpft in die Kühlung
Kirschgeist, labenden Trank den erschöpften in Eile bereitend.
Jene, sobald sie geschlürft den erquikkenden Nektar der Alphöhn,
Bat er zu feuchten die Füß’ in dem Schnee, durchnezzend die Sohlen.
Und sie befolgten den Rath, und verspürten gleich die Erfrischung.
Drauf ermahnt er mit flehendem Ernst, den weiteren Aufgang
Nicht zu beschleunigen; sondern mit ihm Schritt haltend zu steigen,
Stillzustehen, wenn er stillsteh’, und nie sich zu lagern,
Bis sie erreicht die geweidete Höh’, wo sich ebnet der Bergweg.
Und es versprachen gerührt, die Jungfraun blindes Gehorchen.
Also geordnet den Gang, den Felsanklimmenden, sorgsam,
Hob sich der Zug allmählich empor, und es sanken die Tannen,
Rings, des verödeten Walds, des zersplitterten, Donnergeworfnen,
Gleichsam als glitten sie jenen vorbei dem kahlen Gebirg ab.
Schon war genahet die zakkige Fluh der vorderen Felswand,
Und schon hofften die drei den gefährlichen mühsamen Steilweg
Glüklich geendigt, als, Schrecken dem Blik! ein scheußlicher Felsschlund
Gähnend mit eins vor den Füßen den Gang der Staunenden hemmte.
Wo nun hin? was jezzo zu thun? Nur Adler des Himmels
Konnten hinüber; ein Sprung war selbst unmöglich dem Steinbok.
Unumgehbar auch schien der Entsezliche. Links, an dem Felsgrat,
Ueber ein schroffes Geklipp, das schräg hinragte nach jenseits
Kletterte zwar in der Noth ein Gems nachhüpfender Jäger
Aber unmöglich ein weiblicher Fuß. Nathschlagendes Herzens
Sann der Begleiter; und wählte zulezt, entschlossener Kühnheit,
Erst zu versuchen, allein, den sichtbar einzigen Ausweg.
So wie beschloßen, gethan. Er klomm hinüber, und klimmend
Kehrt er zurük zu den drein mit der eingeholten Erkundung
Also begann er, und sprach zu den bang’ aufhorchenden Holden:
Himmelbegeisterte Tochter Uranias, jungfraugewinkte!
Nur durch ein einziges Mittel ist jezt des Zieles Erreichung
Möglich! dem Weg, den ich klimmend erspäht an dem schroffen Geklipp dort
Fehlt an der schreklichsten Stelle, wo senkrecht über die Tiefe,
Starret der Grat, die gehörige Breit’, und ein einziger Fehltritt
Stürzt von der schwindlichsten Höhe hinab in den gähnenden Abgrund.
Höret anizzo den Rath des gebirggangkundigen Führers:
Bindet, die eine der andern, ums Aug’ ein blindendes Tüchlein;
Und, in die Arme gefaßt, dann trag’ ich sicheren Bergschritts,
Eine der anderen nach, euch Lieblichen alle hinüber.
Sprach’s. Es erwiederten nichts die verschämt errothende Jungfraun,
Sondern, ein’ anblikkend die andr’, und alle sogleich dann
Messend mit Augen den Schlund und den überragenden Felsgrat,
Wogen den seltsamen Rath in des Herzens Geist und Empfindung.
Dort vor dem bebenden Fuß lag offen der Rachen des Abgrunds;
Glitschen sie aus, sie stürzten hinein, des Verschlingenden Beute!
Hier den Zitternden öfnet’ ein muthiger Jüngling die Arme,
Zwar ein bescheidener, frommer, und sittsamer; aber ein Mann doch;
Und nicht alle zugleich vermocht er hinüber zu tragen!
Viel rathschlageten stumm, unschlüssiges Herzens, die Mägdlein:
Ob sie sich lieber dem offenen Schlund preisgaben im Selbstgehn,
Oder sich lieber den Armen des tragenden Führers vertrauten?
Denn nach so mancher Besiegung der feindlichen Nöthe bis hieher,
Und nach so vielen Gefahren, dem Ziel so nahe, mit einmal
Umzukehren, der bloße Gedank empörte sie alle.
Aber es deutet’ indeß, als Ja, das Schweigen der Jungfraun
Jener, und täuschte sich nicht. Voll Muth umbanden die Schwestern,
Eine der andren, das holde Gesicht mit dem blindenden Tuche
Feierlich. Erst dir, Cynthia, naht in schweigender Demuth
Ehrerbietig der Held, und schlang, mit nervichter Rechte
Hebend die schöne Gestalt, die link’ um den blühenden Leib dir,
Unschwer tragend, wie leicht in dem Arm der Vater ein Kind wiegt.
Festen Tritts, mit bedachtlichem Schritt, nun betrat er des Abgrunds
Schmalen Rand, von Geklipp auf Geklipp hoch über die Tiefe
Klimmend mit jener, die nichts wahrnahm; und landete glüklich.
Als er sie jezzo gesezt, nahm ab sie die Bind’, und vom Hafen
Schaute sie nun mit Entsezzen die Bahn, die der Träger gewandelt.
Aber es klomm der Verwegne zurük zu den wartenden Schwestern.
Dich, o Daphne, lud er nunmehr, die Schweigende schweigend,
Festumschlingend sich auf, und wiederholte den Gottgang
Zuversichtlich, mit rascherem Schritt; und landete glüklich;
Lassend die Fröhlicherstaunende, dort bei der staunenden Schwester,
Eilt er hinüber zurük zu der Einsamen, diese zu holen.
Aber ein andres ersann des Olympos Tyrann und des Erdballs,
Eros, der listige Gott. Dem verfolgeten neue Gefahren
Stets zu bereiten entflammt, verließ er am himmlischen Eingang
Hermes, wendend den Flug nach dem einsam ragenden Schrekhorn.
Nie noch schwang sich so hoch, seitdem im idalischen Berghain
Ihn Aphrodite gebahr, sein leichthinschwebender Fittig,
Blühender Hügel nur froh, hochscheitliche Berge vermeidend.
Jezzo trieb ihn der Groll weit über des ewigen Eises
Weit verödetes Meer, und den Frierenden wärmte die Zornglut.
Wie von des Hügels Gebüsch ein entflatterter Schmetterling oftmal
Wolkengerafft, im Gewirbel des Sturms, hoch über die Waldung,
Höher und höher bis über die Bahn des Adlers dahinfährt
Weit von beflognen Gefilden zur Weide des staunenden Steinboks;
Also stürmte den leichten die Rach’, hoch über des Eismeers
Thürmungen, gegen des Schrekkengebirgs aufragenden Scheitel.
Seit Urwinteren thront hier, gleich von Menschen und Göttern,
Zwischen Himmel und Erd’, entfernt, ein einsames Scheusal,
Schwindel genannt, beherrschend das Nichts, und die ewige Leere.
Aller Dämonen ist er der schreklichste; lebend und leblos
Scheint er zugleich, todathmendes Hauchs. Ihn zeugte der Himmel
Einst zu der Hölle gesellt in chaotischer Felsenumermung.
Grause Vernichtung im starrenden Blik, auf der Stirne Verzweiflung,
Sizt auf dem schweigenden Fels, in weit verstummender Oede,
Schweigend der Ries. Entsezzen ergreift selbst selige Götter,
Wenn sie dem Schreklichen nahn. Mit weitvorquillendem Auge
Blikt er vom Gipfel herab in die Nacht der sinkenden Tiefe,
Unbeweglich und starr; und rollt er das Auge, gerollt dann
Dreht sich der Fels, und die taumelnde Welt, und der schwindende Himmel.
Wütende Rache, wohin treibt nicht dein tobender Unsinn!
Hier, wo der Räuber der Luft ohnmächtig sinkt in dem Anflug
Gegen die Sonn’; im Reiche des Nichts, wo plötzlich entathmet
Stirbt das beseelteste Leben, und kaum der todte Gedanke
Gottesleugnender Grübler, wie Rauch der Hölle hinausschweift;
Hier umflog das erhöhteste Horn des zakkigen, wilden,
Rings abgründlichen Riesengebirgs, in steigenden Kreisen,
Eros, erstrebend den Thron des furchtbar schweigenden Herrschers.
Jezzo dem nimmer erflognen genaht erblikt er den Ungott,
Nur, zum Glük von der Seite gesehn; und band sich in Eile
Fest um die Stirne das blindende Tuch, ausweichend dem Anblik.
So hintretend, begann er, und sprach die geflügelten Worte:
Götter und Menschen erschrekkender Fürst des schwindlichten Unreichs,
Unanschaulicher, finstrer, unnahbarer, Wesen vertilger!
Welchen die Sterblichen Schwindel genannt, und die Himmlischen Azeus!
Hoher Beflügler des Schwungs freiwutender Völker, des Aufschwungs
Frecher Tyrannengewalt, und des Gottheitleugnenden Ichschwarms!
Höre die Bitte des nahenden Freunds, des herrschenden Bruders;
Traun! denn ich theile mit dir des Weltalls weite Beherrschung,
Drehend wie du, wenn mir solches gefällt, in Kreise des Erdrunds
Häupter, und selbst die olympische Stirn, aus welcher Athene
Völliggerüstet entsprang; nur herrsch’ ich nicht durch Entsezzen.
Bist du des Tods Ungott, ich bin des Lebendigen Abgott!
Nur ein einziges Haupt, ein sterbliches, frecher Empórung,
Trozt uns beiden. Auf schwindlichem Pfad, wo nimmer ein Fuß trat,
Wagt sich der Kühne hinauf, hohnlachend der Nähe des Abgrunds,
Deiner Nähe sogar, abgrundlichster! nimmer verzagend.
Sieh! dort schreitet er trozzig daher, und trägt, wo der Condor
Fallen ließ vor Entsezzen das Lamm, in ruhigen Armen,
Ohne zu beben, die Lust des Olymps, ein wandelnder Atlas.
Zween der Grazien trug er schon hin, und hohlt nun die Dritte.
Schautest du sie, du beneidetest ihn, und versinkend in Wollust
Statt in Betrachtung des ewigen Nichts, zerschmolze dein Eisblik
Schreklicher! wonnegethaut. Auf! schwebe herab von dem Ursiz
Deines Entsezzens mit drohendem Sturz zu dem niedren Geklipp dort;
Und, wenn er naht mit der Dritten, der Holdesten, zeige dich plötzlich!
Daß mit dem kreisenden Blik ihm gleite das rollende Weltrad
Unter den Füßen dahin, und zurük der taumelnde bebe!
Sprachs. Es erwiederte nichts des Schrekhorns schweigende Herrscher.
Aber er nikt, und der Fels erbebt im Dröhnen des Abgrunds
Klanglos, hohl, wie das dumpfe Getoß der hallenden Wüste,
Wenn die Gebirge bewegt ein unterirdischer Donner.
Und es erkannte der Gott, wegfliehend, die grause Gewährung.
Also vollendete dort die schwindliche Schrekkenbestellung
Jenes beflügelte Kind, des Olympos Tyrann und des Erdballs;
Schwang sich dann eilends zurük zu der Uranionen Versammlung.
Aber es naht auf dem jähen Geklipp der harrenden Myris,
Voll im voraus der Entzükkung, der baldvorstehenden, Nordfrank.
Schon umschlang sie sein Arm in Gedanken; des Glüklichen Athem
Sog schon leise den Duft der getragenen Rose; sein Busen
Wallete, wiegend das süße Gewicht der künftigen Wonne.
O! wie flog er so selig dahin, voll süßer Erwartung!
Also flog, an den felsigen Bord des stygischen Abgrunds,
Fern erblikkend das weiße Gewand Eurydikes, Orpheus
Wonnebeflügelt dahin; und trug schon selig die Gattin
Triumphirendes Gangs durch die rings umnachtende Hölle,
Eh’ er die schimmernde nahend erreicht, wie jezzo dein Führer,
Schauend vom weiten das Kleid, im Geklipp dir nahete, Myris!
Jen’, im voraus von den Zween umwunden die schuchterne Stirne
Saß geblendet noch da, und wagt’, unschuldig gehorsam,
Nimmer zu lösen das Tuch bis der holende Führer zurükkam.
Jezt, wie sie hörte des nahenden Tritt, errötheten plötzlich
Unter dem Lilienband, zwo glühende Rosen, die Wangen.
Und holdseliger, schöner als je, voll kindlicher Anmuth,
Schien sie, umfloßen mit himmlischem Reiz, ein weiblicher Eros.
Jener nahte sich still der Errothenden; blikte noch einmal
Innigbewundernd sie an; und schlang dann, übergebogen,
Leise den bebenden Arm um des Leibs schlankblühende Bildung,
Hebend die Holde mit sanfter Gewalt, als hub’ er den Himmel.
Sieh! und sie saß ihm nunmehr in dem Arm, und ruht an der Brust ihm,
Herz ans schlagende Herz, und Wang’ an glühende Wange
Hold anlehnend, vertraulich, getrost, in kindlicher Unschuld.
Ach! und es sank fast unter der Last der getragenen Wonne,
Gleichsam als trüg’ er des Weltalls Lust, der selige Nordfrank.
Unter ihm wanketen zukkend die Knie’; es zitterten heftig
Arm’ und Füß’; ihm pochte das Herz; und es wallte die Seele
Wonneberauscht, lusttrunken, im Taumel der süßen Bezaubrung.
Heftiges Seufzen erstikte den wollustathmenden Aufhauch,
Und der beklommenen Brust anwandelte holde Betäubung.
Also schritt er schwankendes Tritts mit der reizenden Bürde
Bis zum entsezlichen Ort, wo mit einmal gähnte der Abgrund
Tiefer als je, so schiens dem erbebenden, wo nur ein Fußsteig
Lokres Gesteins ihn trug, und den Schaz des getragenen Himmels.
Jezt von des Schrekhorns Stirne herab sank dumpf in Dampfqualm
Noch unsichtbar, über sein Haupt das erstikkende Scheusal,
Welches heruntergelokt die Gewalt des flehenden Eros.
Schauder ergriff den verzagenden, Angst, und bleiches Entsezzen.
Schmaler und schmaler erschien ihm der Steig, erhöhter der Felsrand,
Und bis zur Wurzel der Alpen vertieft der gahnende Bergschlund.
Jezt wahrnehmend das Beben des tragenden, staunend dem Stillstehn,
Zittert’ auch sie, die getragne, des bebenden Taumel vollendend.
Sieh! und es sank sein kämpfendes Herz, erliegend dem Schwindel,
Jenem umnebelnden, grausen, unendlichen Dämon der Alphöhn,
Dem er bis jezzo getrost. Zum Erstenmal nun erblikt’ er,
Bleich, die Riesengestalt des entsezlichen, welche hinabsank.
Gleichwie des Donnerers Aar, in den Klauen der zukkende Blizstrahl
Löschend die Sonn’ im stürmischen Flug, und umnachtend den Mittag,
Dumpf mit erdröhnenden Schwingen auf bebende Thürme herabschießt;
So, und noch schreklicher schwebt ihm heran das dunkele Scheusal,
Haltend in grimmigen Klauen ein Schild unendliches Umfangs,
Blikanziehendes Drohns, hohlrund, voll Greuelgestalten.
Sieh! denn es kehrte sich drin dem gezogenen Blikke die Felswelt,
Unten zu oben, verworrenes Grauns, und gigantischer Dehnung
Spiegelte grauser zurük das Gräßliche jedes Entsezzen.
Himmel gehoben erschien ihm die Höll und zur Hölle gesunken
Unter der Erd’ entgleitendem Rund der erhabene Himmel;
Und auf die Spizzen des Haars stand starr, sich selber ein Greuel,
Schon beim Fuß von dem Tode gefaßt, der taumelnde Seher.
Diese Gestalt nun erblikt er, und wankt. Im Kreise (so schiens ihm)
Dreht ihn die dunkle Gewalt; es drehte mit ihm sich das Weltall,
Rundum rollend im wirbelnden Kreis stets schnellerer Schnelle;
Sieh! und er taumelte ganz, und des taumelnden Augen umfieng Nacht.
Jezzo hätt’ ihn ergriffen die schon anpakkende Klaue
Jener ermordenden Greuelgestalt; doch nahe dem Absturz
Bebt’ er zurük an dem schroffen Geklipp, anstrengend die lezte
Sterbende Kraft zu verhüten den Stoß der zitternden Bürde.
Und sie entgleitete sanft den sinkenden Armen des Trägers,
Welcher nunmehr hinfiel, ein Raub todtgleicher Betäubung.
Schnell abreißend die Bind’ erblikte sie jezt an des Abgrunds
Rand, an den Felsen gelehnt, todtbleich den sterbenden Führer;
Und sie sank ohnmächtig nun selbst, wie neben dem Ulmbaum
Sinkt auf dem hagelgeschmetterten Berg die schwankende Rebe.
