Inhalt
Hermes, ergrimmt gegen den Nordfrank, weil er selbst sich der Holden Führung gewünscht hatte, sucht, nachdem ihm die Vereitelung der Reise durch das Verfehlen des Postwagens nicht gelungen, den Eros, um sich, mit ihm gegen die Wallfahrt zu verbinden; und findet denselben bei dem Kirchweihfeste in Hasli. Er beredet ihn, mit sich, noch vor Mitternacht hinauf zum Finsteraarhorn zu fliegen, um dort Zeus gegen den Führer der Jungfrauen aufzubringen. Beschreibung des neuen Olymps. Klage der Verbündeten, und Entrüstung des Donnerers, der den Wolken Befehl ertheilt mit Anbruch des Tages gegen Nordfrank zu stürmen, wenn er weiter zu gehen wagt. Dem schirmenden Apollon gelingt es, den geschwungenen Blizstrahl abzuwenden, und Zeus zu bewegen, keinen Theil an der Verfolgung des Angeklagten zu nehmen. Dieser gewährt und erlaubt dem Musengott, seinen Günstling zu schüzzen. Sämmtliche Götter, außer Eros und Hermes, begeben sich zur Ruhe.
Jesso schlummerten dort die Gewanderten, während der Fuhrer
Alles zur morgenden Fahrt auskundigte, jedes besorgend;
Und erst spåt sich zur Ruhe begab nach gelungner Vollendung.
Aber bevor noch hinter die Berghöhn Helios absank,
Schwang sich von Nielsens gesondertem Fels zu der blumigen Anhöh
Haslis, Amora genannt, der neidentsflammte Hermeias.
Dort nun traf er, im frohen Gewühl hochzeitlicher Hirten,
Welch auf dem Eichenumschatteten Plaz juchheyeten, Eros
Selber verkleidet als Hirt, theilnehmend an jeder Ergózzung,
Hupfend nun hier, und nun dort, im beståndigen Spiel mit den Magdlein.
Lange hatt er vergebens gesucht den schwarz menden Fluchtling,
In dem helvetischen Tempe bei Thun, im neuen Olympos,
Aarhorn irdisch benahmt, auf den Zwillingshohen der Eiger,
Und bei der Mutter zulezt auf dem Gurnigel, mude des Umflugs
Durch Bergspaltungen rings und grünbekräuterte Thåler.
Endlich entdekt’ er im Fluge, vom Gurnigelbade zurük, ihn,
Eben als über den eigenen Fels, weitschauendes Umbliks,
Er mit gesenketem Schwung herschwebete. Pfeile, die flogen,
Unsichtbar den Sterblichen zwar, doch den Himmlischen sichtbar,
Treffend die Mädchen und Jünglinge dort, verriethen den Wildfang.
Jezzo dem Bruder genaht hub an der verschlagene Postgott:
Trauter! was weilest du hier unwürdigen Spielen des Bergvolks,
Während dich ruft ein erhabnes Geschäft glorreicher Erfüllung?
Ist doch, traun! die Besiegung der hornviehweidenden Helden
Und der leichtumgürteten Berg-Amazonen des Haslis,
Die schon fallen, bevor du gezielt, tief unter der Würde
Deiner unendlichen Macht. Auf! höhere Palmen nun wehn dir!
Ihm antwortete drauf des Gebirgwilds Bändiger, Eros:
Lästre mir nicht, herzloser, die Hirten und Hirtinnen Haslis!
Ist doch dies mein geliebtestes Volk, und, wahrlich! mir theurer
Als die Bären und Bärinnen dort, die stets du mir anlobst,
Weil sie nur dich anbeten, und hoch, von Ferne, den Ares;
Aber die übrigen Götter gesammt, mich sonderlich, höhnen.
Wahrlich! derweil wir Olympier doch die thessalischen Berghöhn
Flohn, aus den erblichen Sizzen verscheucht von türkischen Barbarn,
Die, selbst nimmer im Scherz, uns huldigen (welches zum Glük hier
Christliche Dichter doch thun, und mehr noch zu wagen bemüht sind)
Ist mir lieb dies fröhliche Thal, das, fern von den Städten,
Blüht, dem peneischen gleich, umrauscht von waldigten Berghöhn,
Und im friedlichen Schoos deutschredende Griechen ernähret.
Lieb mir sind Heloisas Gefild’ am Gestade des Lemans,
Lieb die Matten des Tell an dem wechselnden Ufer Luzernas;
Lieb die Nebengeländer des Sees am Fuße des Uto;
Lieb auch herzlich das Thal der Lütschenen; lieber die Fluren
Gurnigels noch, und der Hayn der Jungfrauschaukelnden Thuna;
Aber vor allen erfreuet mein Herz dies luftige Bergthal,
Blumigt, bekräutert, mit Haynen erfüllt, voll fröhlicher Hütten,
Und durchrieselt von Bächen, im Duft umgrünender Weiden,
Welche durchtont der Heerden Geblok im Echo des Schallrohrs:
Ach! und Gesang der Bewohner, an Wuchs den Griechen noch ähnlich!
Sprach’s. Lautlachend erwiederte drauf der bebeutelte Kaufgott.
Griechen die Haslibewohner? Fürwahr! nicht täuschet der Sinnspruch:
Um stets Rosen auf Dornen zu sehn brauchts Augen des Eros.
Zwar ein bergkuhäugiges Weib, und ein göttlicher Sauhirt,
Nahn uns dort aufrecht herwandelend; aber es machen
Zwei homerische Schwalben noch nicht homerischen Sommer.
Finster schaut und begann des Olympos Tyrann und des Erdballs:
Unbesonnener! reize mich nicht; ich schnelle den Pfeil sonst
Ab, und erfülle dein spottendes Herz mit schmachtender Sehnsucht
Nach dem Bergkuhäugigen Weib, des Reizen du Hohn sprichst!
Jener sprachs; und es bebte vor Angst der göttliche Hagstolz.
Schnell abwendend den drohenden Pfeil mit kosender Schmeichlung,
Faßt’ er dem Bruder die Hand, die Bogenspannende, knieend;
Und tief athmendes Hauchs nun stöhnt’ er die flehenden Worte:
Herrscher des eigenen Vaters, des Herrs der Welt und der Götter!
O! wie wagete je doch im Ernst ich dienender, Eros,
Sey’s in Worten nun, oder in That, mit Hohn zu begegnen?
Fern sey solches! O trotzet’ ich doch vielleichter dem Ares!
Denn, zwar selbst ein Gewaltiger, weicht er, Schreklicher! Dir doch!
Nur im Scherz entschlüpfet mir wohl nicht selten ein Wörtlein,
Herzlich bereut nachher, wenn verfliegt der benebelnde Kopfdunst.
Denn ich komme vom Gurnigel her, wo die Mutter zum Badfest
Einige Götter geladen, und mehr des Nektars herumgeht,
Als bei größeren Festen geschieht, wenn alle dabei sind.
Ach! denn es fehlet der Musen Gesang; auch fehlen dem Festschmaus Foi
Foibos, der Chariten Huld, und der Allaufheiterer Eros.
So mit schmeichelnder Rede versöhnte den zürnenden Hermes;
Und unsichtbar dem tanzenden Kreis umarmten sich beide.
Drauf vorbrachte nun jener die künstlichbereitete Bitte,
Meldend der Ankunft Grund, und den langen vergeblichen Umflug.
Also sprach er zum Bruder gewandt die geflugelten Worte:
Wenn, o Geliebter! es je mir gelang, dir, eifrig bemüht stets,
Irgend ein Dienstchen geheim zu bewilligen, oder auch kundbar,
Leiste mir dann, was ich hier (du vermagst ja solches) erflehe!
Eile mit mir, in der Mitte der Nacht, bevor noch die Berghöhn
Eos mit purpurnem Schimmer bestrahlt, zum Thunischen Gasthaus,
Freihof! Dort nun ruhen die Drei, holdseliger Anmuth,
Welche zu führen gelang, mir selbst zum Trozze, dem Erzfeind
Meines gesammten Verkehrs, dem gebirgdurchschwärmenden Nordfrank.
Jene, die holdesten ihres Geschlechts, urgriechischer Schönheit,
Aehnlich an Bildung und Wuchs und an jeglichem Reize der Jugend
Unsren unsterblichen Drein (wenn nicht die Himmlischen selber)
Hatten beschlossen den Zug, den gefährlichen, hoch zu der Jungfrau.
Führer zu seyn nun erbot ich mich selbst, bevor noch der Fremdling
Anwarb, nahend mich jenen geputzt, mit stattlichem Anstand
In der geborgten Gestalt des schönsten bernischen Hauptmanns,
Froh der vortreflichen Wahl, denn es schritt der Bestaunte triumpffroh
Hoch durch die Straßen einher, lautmeinend, aus jeglichem Fenster
Gruß’ ihn, heirathlustiges Bliks, ein quillendes Magdlein.
Geld auch hatte der Herr, groß- und kleinräthige Sippschaft,
Und zum Barätti gebohrenen Kopf, und Füße zum Feststehn,
Auch viel erblichen Wiz voll Troz und gediegener Derbheit.
Freundlich dankten die Holden; allein genothigt zum Aufschub
Durch anhaltenden Regen und Sturm blieb aus die Entscheidung;
Bis ich auf einmal heute sie sah, geführt von dem Fremdling,
(Welchen sogleich ich erkannte) genaht dem wartenden Postknecht,
Eine Minute zu spät nach vorgeschriebener Ankunft.
Diesem befohl ich zu rollen allein. Doch jene zu Fuß nun
Fiengen entschloßen die Wanderung an, die noch fröhlicher ausfiel,
Als wohl wäre gelungen, die Fahrt, die selbst ich gehindert.
Lange bewegt’ ich im Geist, nur sinnend auf Mittel, den Anschlag;
Wie zu vereiteln noch stünde der Zwek des führenden Nordfranks;
Und, wenn nicht mir gelang, vorher durch listige Fügung
Jenen den Zug zu verleiden und ihm, doch wenigstens dieses
Noch zu verhüten, daß nimmer ihm werd’ am Fuße der Jungfrau,
Jene Belohnung, die kaum ihm bewußt vom dunkelen Schiksal
Dem ist bestimmt, der dahin drei Jungfraun, ohne Versehn führt.
Diesem Gedanken ertheilt’ ich zweifelnder endlich den Vorzug:
Dich zu bewegen, so bald er erwacht, und die Schlummernden aufwekt,
Und derweil noch sein Herz gleichhuldigend alle bewundert,
Einen erlesenen Pfeil in die Brust ihm eilig zu schnellen,
Daß er für Ein’ allein nun erglüh’, ausschließend die andern.
Vorher eilen wir beide hinauf zum hohen Olympos,
Und weil noch ihm erglüht die Stirne vom fröhlichen Gastmahl,
Flehen dem Donnerer Zeus um Südwind strömendes Regens.
Solches gewähre dem Bruder geneigt, o trautester Eros!
Also fleht’ er; und lachend versprach der Bruder Gewährung.
Eilig dann flogen sie beide davon, in der Gipfel Umdämmrung,
Ueber verschattete Fluren, und Hain’, und Hügel, und Waldhöhn,
Auf zu der Götter Versammlung am Thron des herrschenden Vaters.
Hier saß hehr im ätherischen Saal gestirneter Wölbung
Auf dem weitvorstrahlenden Siz, erhöht in der Mitte
Zwischen den Uranionen der Herrscher im Donnergewölk Zeus.
Heiterer Stirne, mit lächelndem Blik, in der Rechten den Zepter
Haltend, die Linke gelehnt auf das Knie der hohen Gemahlin,
Ruht’ ihm zu Füßen der Adler still, in den Klauen der Blizstrahl.
Vorn umher, dreifach, zur Rechten und Linken, im Halbkreis
Hinter einander gereiht, auf goldenen Stühlen gelagert,
Saß der Götter und Göttinnen Schaar helleuchtendes Anbliks.
Denn nie brennt, auch während der Nacht, ein anderes Licht dort;
Sondern den eigenen Augen entstrahlt taghelle Beleuchtung,
Glanz erfüllend die Nah’, und von Fern umschimmernd das Weltall.
Rings durchtönten die Pfeiler umher, und die hallende Wölbung
Musengesänge, vermählt mit dem Klang der Apollischen Lyra,
Sanft ausströmend dem stimmigen Saal, und widergehallt laut
Von dem harmonischen Chor der rollenden Sphären von außen.
Hoch auch wirbelt’ empor ein Gedüft wohlriechendes Weihrauchs;
Sparsam zwar; denn wenige nur der Erdenbewohner
Opfern den Göttern annoch dankbar, andächtiger Dehmuth;
Doch um so mehr dem Olympier lieb, und feineres Anhauchs.
Hieher stieg den krystallenen Weg des finstern Aarhorns
Ueber die schimmernde Brükke der Burg, Milchstraße genannt,
Jenes verbündete Paar, und trat durch das offene Saalthor.
Jezzo dem Throne genaht, nach vorher beredeter Ordnung,
Führte das Wort mit gefälliger Zung’ Idalias Sprößling:
Wahrlich, o Zeus, Allherrscher der Welt und des wölbenden Himmels,
Und ihr Götter und Göttinnen rings olympischer Hoheit!
Wenig entspricht dem erhabneren Siz und der weiteren Hofburg
Was ich im Fluge bemerkt dort unten, prüfend die Herrschaft.
Traun! viel mächtiger waret ihr noch zur Zeit der Bestürmung
Jenes Olymps, der niedriger zwar, doch schauriger, da stand,
Als euch drohte mit frecher Gewalt der Titanen Empörung;
Mächtiger selbst, und verehrter, zur Zeit des grausen Lykaon,
Als doch ganz zu vertilgen das Menschengeschlecht dir gefiel, Zeus!
Damals lehnten sich auf die Sterblichen, Feinde der Allmacht;
Aber anizt — kaum fragen sie noch nach himmlischer Waltung,
Meinend, es drehe sich selbst die Erd’, und der wolbende Himmel;
Und als wäret ihr nimmer noch da, lautlachend des Nachttraums,
Schalten und walten sie selbst, hellsehend am völligen Mittag
Alles in wahrer Gestalt, handgreifend die Sach’, und die Ursach.
Nirgend, so weit ich noch flog in der neuen Beherrschung entdekt’ ich
Haine, wie dort, euch geweiht, noch Palladien; nirgend zum Opfer
Auch nur ein Schaaf euch bekränzt, geschweige denn Festhekatomben.
Auf den versunkenen Säulen der Tempel, und rings auf den Trümmern
Eurer Altäre besucht Kramladen und hölzerne Bühnen,
Und todvolle Kapellen ein Schwarm gottloses Gesindels.
Ach! es lieget im Schutt der Glaub’; und die Furcht vor den Göttern
Ist von der Erde geslohn mit des Schönen Gefühl und der Freiheit!
Unterbrechend die Rede begann der Erschuttrer des Aarhorns,
Zeus, der bezepterte Vater des Menschengeschlechts und der Götter;
Und wie er sprach, schwieg rings der Olymp und das schauernde Weltall:
Manches bemerkliche Wort, voll Wahrheit, floß dir, o Sohn jezt
Von der beredeten Lippe, doch dehnt auch vieles dein Eifer
Ueber der Grenzen Gebühr. Zwar herrscht ungläubige Wißlust
Unten, und eignes Vertraun, (Aufklärung nennen sie solches)
Und es verschwanden die Götter sogar aus der Neueren Dichtung,
Welche verständig nunmehr und verständlich vom Kopfe zum Kopf geht;
Aber es glimmt in der Asche doch Glut von warmerer Strahlung
Als das Leuchten, von welchem Du sprachst. Teutonias Orpheus,
Schiller genannt, hat neulich noch kühn in der Staunenden Mitte
Laut die griechische Göttergewalt lobsingend gehuldigt;
Seit Jahrtausenden stieg mir hinauf kein süßerer Weihrauch!
Wieland selber, der Spotter, obgleich ihm eigener Schalkheit,
Offenbahret ja längst in Merkurevangelien Deutschland
Sachen von uns, und geheime Gespräch’ ausnehmender Weisheit,
Welche Hesperiens Ohren verschwieg sein Freund Lukianos.
Göthe, Germaniens Liebling, und sicher (Du kennest ihn, Eros!)
Freund gottbildender Künste, wenn nicht kunstbildender Gottheit,
Hat uns ja schon Propylaen erbaut, von vielen bewundert!
Auch Eutins Virgilius lebt, der den alten Homeros
Rief aus dem Grabe Helladias auf, und tonenden Sprachklang
Dem nunmehr mit den Deutschen geläufiger redenden Wort gab,
So, daß selber ich zweifl’, ob nicht noch holder mir anklingt,
Als der homerische Nahme, „Der Herrscher im Donnergewölke Zeus“?
Jener sprachs; und es lächelte rings der Götter Versammlung.
Aber Hermeias vergieng die Geduld; auffahrendes Eifers
Nahm er dem Bruder das Wort, und erwiederte glühend vor Unmuth:
Sey’s! ich bewundre, wie weniges freut, und der Himmlischen Weisheit;
Seltner Genuß ist gewürzt; und Genügsamkeit ziemet den Göttern!
Aber es droht nicht weniger Sturz jedweder Regierung
Gar zu erhabne Geduld, wenn ungeahndet der Frevler
Alles sich trozzend erlaubt, und das Aergste dem Trozzigen hingeht!
So nun schlaft, uns Göttern zum Troz, unbändiger Kühnheit,
Nach vollführeter That dort unten im Thuninischen Freihof
Neben den Chariten jezt ein sträflicher Erdebewohner;
Harrend des kommenden Tags, um weiter, geführt von den Holden,
Ueber den See, durch das Thal, bis hinauf zum Fuße der Jungfrau
Seinen vermessenen Gang zu beschleunigen; wähnend von dortaus
Leicht zu erspahn den verborgenen Weg zu des Donnerers Thronburg.
Sprachs; und gemeinsamer Schauder ergriff die erstaunenden Götter;
Aphrodite vor allen, die gleich nach dem eignen Gemach hin
Iris nun schikte, zu sehn, ob der Grazien keine daheim war?
Während sie fort war blickten sich an die Göttinnen ängstlich
Harrend, nun Hoffnung, nun Furcht im zweifelnden Busen bewegend.
Aber es kam die Gesandte zurük, und erröthendes Schweigen
Sprach nur zu laut für den schlauen Bericht des tückischen Hermes.
Keiner Lipp’ entflog ein Getön; stumm saß die Versammlung.
Aber nachdem drei Blicke gedaurt die gemeinsame Stille,
Furchtbar, der Ruhe des Meers vor dem bald aufwühlenden Sturm gleich,
Oder dem Schweigen der drükkenden Luft, wenn Gewitter empordrohn;
Schüttelte dreimal düster des Haupts ambrosische Locken
Zeus, daß die Alpen umher und des Throns Domwölbung erbebten,
Laut nachhallend das Drohn der fernhindonnernden Worte:
Adeler auf! umschatte den Kreis, und reiche den Strahl mir!
Drängt euch, Wolken auf Wolken, verborgene Nächte des Schrekhorns
Gegen den See, sturmwirbelndes Flugs, und stürzt euch gesammelt
Nieder aufs trozzende Haupt des Verwegnen, wenn nicht er zurückkehrt!
Also sprach er; und faßte gereicht den schmetternden Blizstrahl.
Aber es nahte mit ruhigem Blik, aufstehend, Apollon,
Schnell vorbeugend dem Wurf, und beschwur des Donnerers Unmuth.
Also sprach er, im Busen besorgt für den schlummernden Nordfrank:
Zeus, ruhmwürdigster, höchster, du Herrscher im Licht und im Nachtgraun!
Leicht gereute, was jezt du gedroht, vollführet einmal dir!
Lebt doch kaum in der Mitte der Sterblichen einer, uns allen
Treuer ergeben, als eben der Mann, dem izzo du zürnest!
Ich, ich kenne sein Herz, und verbürge sein Streben als schuldlos;
Zwar er geleitet, wie jener erzählt, drei Hol den zur Jungfrau;
(Sind’s die Huldinnen selbst? noch nicht erforscht’ ich die Wahrheit.)
Aber sein kühnes Beginnen ist frei bis jezt von Versündung
Ob’s auch ferner es bleibt, verschließt das heilige Schiksal.
Also laß, o Vater! den Mann, hinlegend den Blizstrahl,
Und gebiete dem stürmenden Flug der Umwölkungen Ruhe;
Daß er den sattsam gefährlichen Zug, von Eros und Hermes
Einzig bedroht fortsezze; den Zween gestatte Verfolgung,
Und mir Einzigen Schirm! Du selbst nur siehe dem Spiel zu.
Sprach’s; und befriediget lächelte rings der Götter Versammlung.
Selbst beifallend auch winkte mit dunkelen Braunen Kronion,
Wieder den Strahl mit gerötheter Hand hinlangend dem Adler.
Doch unmuthiges Bliks gieng abwärts jezzo Hermeias,
Hurtig von Eros gefolgt. Als jezt der Donnerer aufstand,
Neigte sich rings dem Vater der Kreis, das Zeichen befolgend.
Und zur besonderen Wohnung nun gieng ein jeder zum Ausruh’n,
Zeus mit Here zum hohen Gemach, mit Kupris Hefaistos,
Dort mit dem grausen Poseidon, die heilige Nymf’ Amphitrite,
Hier mit der blühenden Hebe die Kraft des hohen Herakles,
Andre mit andern, und Foibos zulezt mit sämmtlichen Musen.
