Von allem Schönen, von allem Lieben,
war mir zuletzt nur ein Esel geblieben;
es war so ein ernster, gesetzter Mann,
als einer es nur auf der Welt seyn kann!
Er war so fromm, von so edeln Geberden,
als nur ein Heil’ger ist auf Erden,
durch Demuth und durch Eselsgeduld,
gewann er sich aller Christen Huld!
Man konnt’ in der Mien’, in seinem Wesen,
so ziemlich den Philosophen lesen;
an seiner Haltung, an seinem Schritt,
sah man, daß einst Silen ihn ritt!
Wie Philosophen und wie Dichter,
und all’ das ähnliche Gelichter,
trug er die Ohren erstaunlich hoch,
und fraß im Grund’ doch nichts, als Stroh.
Ja, daß er der unverständ’gen Jugend
ein Beispiel sey von Weisheit und Tugend,
von Ernst und moralischem überhaupt,
so kam er zur Welt schon mit grauem Haupt.
Er war mein treuer Freund hienieden,
kein Ungemach hat uns geschieden,
er trug sein Leiden in stiller Ruh,
das meine, ja mich selbst dazu.
Ob er geliebt, kaum kann ich’s sagen,
ich hört’ ihn nur zuweilen klagen,
und fürchterlich im Mondschein schrei’n,
wer weiß, war’s Sehnsucht, oder Pein!
O wir verstanden uns so treulich,
wir waren uns so gut! Denn freilich,
man hat nicht dieselbe Qualität,
der eine hat, was dem andern entgeht!
Nun hab’ ich das gute Thier verloren,
das ich zum Liebling mir erkoren;
zum erstenmale fühlt mein Herz,
der Trennung herben, bittern Schmerz!
Das eine will mich fast verzehren,
ich kann ihn nicht einmal nach Würden ehren,
denn meine Leier ist längst als Pfand
für Käs’ in des Pizzicarolo Hand!
