Beschattet von der Pappelweide
Am grünbeschilften Sumpf
Saß Hedewig im rothen Kleide,
Und strickt’ am kleinen Strumpf;
Sie strickt’, und sang mit süßem Ton
Ein Lied, ich weiß nicht mehr wovon.
Da ging ich an dem Bach zu fischen
Mit meiner Angel hin,
Und hörte hinter Erlenbüschen
Die schöne Nachbarin.
Ich ließ die Angel an dem Bach,
Und ging dem lieben Mädchen nach.
So einsam, Mädchen? Darf ich stören?
Hier sitzt man kühl und frisch. —
“O gern! Ich suchte Heidelbeeren
“In dieses Thals Gebüsch.
“Allein die Mittagssonne sticht,
“Auch lohnet es die Mühe nicht.„
Ich sezte mich mit bangem Mute,
Mir liefs durch Mark und Bein;
Und neben meinem Fuße ruhte
Ihr Füßchen zart und klein,
Auf Gras und Blumen hingestreckt,
Und bis zum Zwickel nur bedeckt.
Wir zitterten wie Maienblätter,
Und wußten nicht warum;
Wir stammelten von Saat und Wetter,
Und saßen wieder stumm,
Und horchten auf die Melodien,
Die Kibitz und Rohrdommel schrien.
Jezt kühner, stört’ ich sie im Stricken,
Und nahm ihr Knaul vom Schooß;
Doch herzhaft schlug sie mit dem Sticken
Auf meine Finger los;
Und als sie hiermit nichts gewann,
Da sezte sie die Zähnchen an.
O sieh, wie durch das Laub, mein Liebchen,
Die Sonne dich bestralt,
Und bald den Mund, bald Wang’ und Grübchen
Mit glühndem Purpur malt!
Auf deinem Antliz hüpft die Glut,
Wie Abendroth auf sanfter Flut.
Sie lächelte; ihr Busen strebte
Mit Ungestüm empor,
Und aus den heißen Lippen bebte
Ein leises Ach hervor.
Ich nahte mich, und Mund an Mund
Versiegelten wir unsern Bund.
