Zweite IdylleDer ÄhrenkranzHenningHeda! du weiße Gestalt! Wer kommt durch die Haseln gerasselt?Alle guten Geister...Sabine Ich bin ein höllischer Geist! Bu!HenningAber du gehst, wie ein Engel des Lichts!SabineIch kann mich verstellen!HenningHöllischer Geist, was willst du?Sabine Dich holen!Henning So komm denn, und hol mich!...Dirne! du lieber Teufel! wie beißest du mir in die Lippen!SabineSingst du Schelm hier allein, und sagst mir kein einziges Wörtchen?Wart nur, führ ich dir erst, als gebietende Frau, den Pantoffel!HenningWas den Pantoffel betrifft, wird morgen der Priester erläutern.Aber wie fandst du mich?SabineIch geh da einsam im GartenUnd begieße den Rosmarin und die Myrte zum Brautkranz,Seufz auch ein Stoßgebetlein um himmlischen Segen, und schlendreAuf und ab, und seh nach der Tür: Ach! sollt’ er wohl kommen?Doch wer nicht kam, war Henning. Da hör ich am Teiche was klimpern:Ah! das ist Henning, der singt! Wie der Blitz war ich über den Zaun hin,Renne durch Disteln und Hecken zum Teich. O fühl, wie mein Herz klopft!HenningLiebes, süßes Sabinchen!Sabine Ja! liebes, süßes Sabinchen!Und du läßt mich allein!... Weg, Henning! Kein Kuß! Ich bin böse!HenningNärrchen, die Hand von dem Mund! Ich will dir Rechenschaft geben.Seit der Baron uns die Freiheit geschenkt, singt alles im Dorfe;Aber alles im Dorf, ob ich’s schon nicht glaube, behauptet,Ich sei der beste Sänger, und spiel am besten die Zither.Morgen sind’s dreizehn Jahr, als nach der gesegneten Ernte,Unter dem Klockengeläut und dem Schall der Trompeten und Pauken,Uns der Baron freigab; und als Braut und Bräutigam, weißt du,Müssen wir beid im Zug mit dem Ährenkranze vorangehn. ...Dirne! wir waren noch Kinder, und kannten nicht Knechtschaft noch Freiheit!Aber du hörtest heut die kräftige Predigt, wie alles,Alt und jung laut weint’, und der Priester nicht reden konnte,Und wir die Hand uns drückten...SabineDu weinst? Schweig, Henning! Ich weiß schon!Henning, der beste Sänger und bravste Bengel im Dorfe,Hat ein Lied auf die Freiheit gemacht, um es morgen zu singen!Nicht so? und schlich sich allein, um hübsch beweglich zu singen!Schelmchen, küß mich dafür! Er verdient’s, der liebe Baron der!HenningFreilich! und mehr, als du glaubst, verdient’s der liebe Baron der!Vater, dessen Wirtschaft dies Jahr am besten bestellt war,Aß, wie gewöhnlich, heut bei der gnädigen Herrschaft zu Mittag.Über der Mahlzeit sagt zu dem jüngsten Fräulein AmalchenHeimlich dein kleiner Husar Adölfchen: Ach! morgen ist Urlaub!Wer bringt morgen den Kranz? – Mein schönes Sabinchen und Henning! –Ei! das ist schön! Heiraten sich die? – Heiraten? was ist das? –Ei! dann tanzen sie erst, und schlafen dann beide beisammen!Hast du das nie bei den Puppen gesehn? – Ja, getanzt wird morgen!Auf der Wiese! da essen wir auch! Papa und Mama auch!Schnell winkt ihm die Baronin, als zürnte sie: Junge, was schnackst du? –Ja! ich weiß, was ich schnacke! Papa hat es selber gesagt wohl!Wenn das Wetter so bleibt, kommt morgen der Onkel und Tante!Dann wird draußen gespeist! Dann tanzen wir alle zusammen!Ulrich, Johann und der Gärtner, die fiedeln uns auf! Und die JägerAlbert und Heinrich, die stehn in den Buchen, und blasen das Waldhorn!Nicht, Papa? Es ist auch mein schönes Sabinchen und Henning!Lächelnd schilt der Baron den kleinen Schwätzer, und bittetMeinen Vater, uns beiden doch nicht die Lust zu verderben.Aber der alte Mann hat kaum zu Hause den KrückstockHinter den Ofen gestellt, so kann er sich länger nicht halten,Weint wie ein Kind vor Freud, und erzählt mir die ganze Geschichte.SabineO der vortreffliche Herr! Mir kommen selber die TränenIn die Augen! Nun Gott wird unser Gebet ja erhören!Sing mir doch, lieber Henning, o sing mir dein Lied von der Freiheit!Aber wo bleibt der Kuß? Du denkst an den lieben Baron nur!HenningMädchen!... Nun nimm auch die Hand von der Schulter! Sonst kann ich nicht singen!Jede Hälfte vom Vers wiederholt ihr andern, und schlagt dannSens und Harke dazu. Ich will’s mit der Zither bemerken. Wir bringen mit Gesang und Tanz Dir diesen blanken Ährenkranz, Wir Bräutigam und Braut! Die Fiedel und Hoboe schallt! Die Klocken gehn! und jung und alt Springt hoch, und jauchzet laut! Die Freiheit schenkt uns solchen Mut! Die Dirn ist frisch, wie Milch und Blut, Gerad und schlank wie Rohr! Ihr Schnitter prahlt mit ihrem Strauß, Und sieht so braun und bräsig aus, Den Hut auf einem Ohr! Der du zur Freiheit uns erhobst, Komm her, und schau! Dort glüht das Obst, Das seinen Baum beschwert! Dort brüllen Rinder ohne Zahl! Dort blöcken Schafe durch das Tal! Dort stampft im Klee das Pferd! Und ob’s der Sens an Korn gebrach, Da frag die vollen Scheuren nach, Bis an den Giebel voll! Die Flegel klappern sonder Rast, Der Städter holet Last auf Last; Sie sind und bleiben voll! Und, zeug uns! hungerharkten wir? Fand nicht genung zu lesen hier Der Wais und Witwe Hand? Die hungerharken, die das Joch Des Frones drückt, und harken doch Meist Hedrich, Tresp und Brand! Im blauen Tremsenkranz juchhein, Zu Weidenflöten und Schalmein, Die Kinder, rund und rot; Und schenken froh dem bleichen Mann, Des Sklavendorfes Untertan, Ihr kleines Vesperbrot! Wir ackern tief, und dröschen aus, Und bessern Feld und Wies und Haus; Kein Schweiß ist uns zu teu’r! Kein harter Vogt steht hinter uns! Ein Wink vom lieben Herrn; wir tun’s! Und liefen durch das Feu’r! Des Sonntags auf der Kegelbahn Setzt alles auf dein Wohlsein an, Und schlürft den letzten Tropf: Laßt leben unsern Vater hoch! Zerbrochen ist des Frones Joch! Die Gläser übern Kopf! Am Sommerabend singen wir, Wir Bursch und Jungfern, vor der Tür, Zur Fiedel und Schalmei: Es lebe unser Vater hoch! Er nahm von uns des Frones Joch! Juchheissa! wir sind frei! Wir bringen mit Gesang und Tanz Dir, Vater, diesen Ährenkranz, Wir Bräutigam und Braut! Denk stets dabei an unsern Fleiß, An unsre Lieb, und dessen Preis, Der segnend auf uns schaut! Er hängt! er hängt! der blanke Kranz! Beginnt, ihr Schnitter, Reihentanz, Und schreit mit frischem Mut: Es lebe unser Vater hoch! Und seine Frau und Kinder hoch! Juchheissa! schwingt den Hut!SabineEi! du Bengelchen du! Wie geht das herrlich! Ja lange,Lange lebe der gnädige Herr! Ach! denk dir das, Henning,Wenn der Baron einst stirbt, und wir ihm Blumen aufs Grab streun!HenningAnders weint man dann hier, als dort, wo der Bauer mit KnochenSeiner verfaulten Tyrannen das Obst abschleudert, und fluchendHin in die Grube sie wirft, wo der Pferd’ und Hunde Gebein dorrt!SabineFi! sprich nicht von Tyrannen und Knochen! Mir graut vor Gespenstern!Blitzt es? So spät im Jahr? Ach! wenn das Wetter nur hell bleibt!Henning, schon wieder! O sieh! der ganze Teich ist wie Feuer!HenningHm! das Wetter kühlt sich nur ab.SabineDoch laß uns nun aufstehn.Sieh den Dampf auf der Wies! Und es weht schon des Abends so feuchtkalt!Daß du mir morgen nicht singst, wie der heisere Küster sein Amen!