Es gingen in einer Winternacht
In Wien sechs Schneidergesellen zu Weine,
Was habt ihr heute für Kleider gemacht?
Sprach zu den muntern Brüdern der Eine.
Ich ein Hanswurstkleid, sagte Xaver,
Das sich zum Ball ein Fürst erlesen.
Es ließ ihm trefflich; es schien, als wär’
Er lebenslang Hanswurst gewesen.
Ich einen Talar, versetzte Claus,
Für einen Probst; ließ auch nicht übel.
Der dicke Herr sah leibhaftig aus,
Wie Caiphas in der Bilderbibel.
Ich flickte bloß, sprach Bruder Weitz;
Selbst Lazarus war minder zersetzt,
Als der Poet, dem ich gratis heut
Ein Herz auf den Ellenbogen gesetzt.
Hab’ einen Minister, sagte Gall,
Mit einem Hofkleid ausgeschmücket;
Ganz Tasche war’s, und überall
Mit englischem Golde reich gesticket.
Ein Todtenkleid, sprach Theobald,
Hab’ ich für einen Weisen genähet;
War nur von Kattun, doch hatten es bald
Der Armen Thränen mit Perlen besäet.
Nu! nu! sprach Franz mit stolzem Hohn,
Ich laß euch sämmtlich unbeneidet.
Die Mutter Gottes und ihren Sohn
Hab’ ich nach neu’ster Mode gekleidet.
