Gedanken einiger BramanenAuswahlVerschiedener Umgang.Sohn, die Freundschaft mit den Bösen,mit Gleichgültigen und Gutensei dir ja nicht Einerlei! Ein Tropfe Regenwasserfiel auf ein glühend Eisen,und war nicht mehr. Er fiel auf eine Blume,und glänzt’ als eine Perle,und blieb ein Tröpfchen Thau.Er sank in eine Muschelzur Segenreichen Stunde,und ward zur Perle selbst.Freundschaft.Wie der Schatte früh am Morgenist die Freundschaft mit den Bösen;Stund’ auf Stunde nimmt sie ab.Aber Freundschaft mit den Gutenwachset wie der Abendschatte,bis des Lebens Sonne sinkt.Der Freund.O wer erfand den Edelstein der Sprache,die kurze Sylbe Freund? Er nannt’ in ihrdes Lebens Trost, den Retter von Gefahren,von Gram, und Furcht, und Selbstbetrug, und Noth;den treuen Schatz von unserm Leid’ und Freuden,der Wunden Balsam, unsrer Augen Salbe,des Herzens Arzt, von uns das beßre Selbst.Die Kohle.Flieh ein schwarzes Gemüth; wirf weg die garstige Kohle, Glühend brennet sie dich; Glutlos beschmutzt sie die Hand.Dreifacher Zustand.Was gebohren ward, muß sterben;was da stirbt, wird neu gebohren. Mensch, du weißt nicht, was du warest;was du jetzt bist, lerne kennen;und erwarte, was du seyn wirst.Bestimmung der Natur.Was uns die Natur zu seyn vergönnt hat,Mehr und minder kann der Mensch nicht werden.Auf des Berges Gipfel und im ThaleBleibt er, was er ist, und wird nicht größer.Schöpf’ er aus dem Brunnen oder Weltmeer,Dort und hier erfüllt er nur sein Krüglein.Vorsehung.Der dem Schwane, dem Pfauen, dem Papageien das Kleid gab, Weiß und gefärbet und grün; hätt’ er nicht Kleider für dich?Eher windet sich nicht vom Mutterherzen der Säugling, bis in der Mutter Brust Fülle der Nahrung ihm quillt.Zwecke des Lebens.Zur Arbeit, Lieb’ und zur Veredlung warddas Leben uns gegeben. Fehlen die,was hat der Mensch am Leben? Hat er sie,was fehlte ihm; worüber wollt’ er klagen?Der Fruchtbaum.Wenn die Bäume voll von Früchten hangen,neigen sie die Aeste freundlich nieder.Wenn ein guter Mann zu Würden aufsteigt;neigt er sich, damit er andern helfe.Der Welteroberer.Wer von Weiberliebe nicht zerfliesset,und von Zornesfeuer nicht entflammet:Wen die stürmige Begier nicht fortreißt,wer die karg verschloßne Hand nicht kennetDrei der Welten möchte Der erobern. –Edelstein und Glas.Möge der Juweel im Staube liegen,Schimmre Glas auch in des Königs Krone;In des Künstlers, in des Käufers Händenwird erkannt, was Glas und was Juweel sei.Die Blume.Ein gütiger und weiser Mannist immer eine Blume.Wird sie erkannt, so pranget sieim Diadem des Fürsten;Wo nicht, so blüht und duftet siesich selber in der Wildniß.Milde Gesinnung.Wer freundlich mit den Menschen lebt,dem wird das Feuer Kühlung,das Salzmeer wird ihm Labung seyn,der Löwe wird ihm dienen,die Schlange wird ihm Blumenkranz,das Gift zur Götterspeise.Religion.Niemand schaden, Allem Hülfe leisten,Jedermann ein heiliger Altar seyn,ist Religion. Und diese Freundingeht mit uns, wenn Alles einst zurückbleibt.Abschied des Einsiedlers.Erde, du meine Mutter, und du mein Vater, der Lufthauch, Und du Feuer, mein Freund, du mein Verwandter, der Strom,Und mein Bruder, der Himmel, ich sag’ euch allen mit Ehrfurcht freundlichen Dank. Mit euch hab’ ich hienieden gelebt,Und geh jetzt zur anderen Welt, euch gerne verlassend; Lebt wohl, Bruder und Freund, Vater und Mutter, lebt wohl!