XIII. Die WeigerungAn Zimmermann.Nunc ego mitibusMutare quaero tristia — —Hor.Ich kann, ich darf, ich muß, ich will, o Freund,Die Weiblein nicht erzürnen! reize michNicht gegen sie! Dem Pontifex alleinVergönnte Roms Gesez mit strenger HandVestalen zu bestrafen, dennoch durftEr nicht den Schleier heben, und sein BlickBlieb Ehrfurchtsvoll, wie streng die Hand auch war.Ich höre deines Lächelns Frage schon:Sind unsre Weiber denn Vestalen? Nein,So wenig als ich Pontifex, und alsWir Römer sind. Die Weiber waren stets,Wenn Männer Männer waren, ihrer werth,Nur weiblicher, sonst ihnen gleich. Als RomDie Feldherrn von der Furche holen ließ,Als weder Pirrhus Gold noch ElefantDen Helden rührte, hatte nicht sein Gold,Noch Pürrhus selbst, der Löw’ ein Weib gerührt,Die stolz auf welsches Blut und keusche Zucht,Der Väter Thaten ihrem kleinen Sohn,Indeß bey früher Lampe schon ihr ArmDen zarten Faden von der Spindel wand,Erzählte, oder zu der Wiege Schwung,Dem kleinen Markus früh ein heisses LiedVon Vaterland und Sieg und Freiheit sang.Die Kinderstube bildete schon frühDes Knaben Herz, eh noch in Mavors FeldDer nackte Jüngling rang, und SchweißbedecktHinab sprang in der Tiber kalten Strom. Des Cato Kind, die schöne Porcia,War ihres Vaters, ihres Mannes werth,Der war der lezte Römer, sie war nichtDie lezte Römerin, denn selbst zur ZeitDes Sklavenjochs blieb Arria noch frei,Gab lächelnd ihrem Mann den blutgen Dolch,Den Schlüssel einer freien Welt, und sprach:„Pätus es schmerzet nicht!“ was ist der TodDer Schlacht wohl gegen diesen Tod? Und dochWar jene stärker noch als Arria,Die noch besprüzt von ihrer Söhne Blut,Von ihrer langen Marter nicht geschreckt,Dem siebenten, dem Liebling, weinend rief:Mein liebes Kind, neun Monde trug ich dichHier unter diesem Herzen, säugte fastDrei Jahre und erzog mit Mühe dich.Gedenk an deinen Schöpfer, deinen Gott!Erbarme deiner Mutter dich und stirb!Nichts grössers that ein Mann, was Männer thunPosaunt der Ruhm in späte Zeiten aus,Indeß am stillen Heerde, nicht bemerkt,Im dunkeln Schatten der Bescheidenheit,Die Weibertugend tiefe Wurzel schlägt,Und in dem Säuseln ungestörter Ruh,Mit sanftem Wehen unsre Hütten kühlt. O Freunde, laßt uns Männer Männer sein,So werden unsre Weiber Weiber sein!Von Wachs sind ihre Herzen, bildet sieMit leiser, aber warmer Hand, wir sindsDie sie mißbilden, unsre Thorheit geußtIn unbefangne Seelen fremdes Gift;Wir reissen aus des Hauses Schatten sie,Und stellen sie auf luft’ge Höhen hin,Wo Frankreichs lauer West Verderben haucht,Wir tödten das Gefühl der reinen Brust,Wenn Leichtsinn oder Spott des HeiligenVon unsrer Lippe trieft, wenn unser BlickDes schlauen Doppelsinnes Sinn bestimmt.Uns ward der Väter Sprache schon zu keusch,Die stark und rein und reich und edel ist,Wir wählen klüglich unsers Feindes Sprache,Die schwach und arm mit falschem Sinne buhlt,Der Schöpfung leztes Werk verderben wir,Und spotten unsers Mißgeschöpfes dann.Sind wir vielleicht besorgt sie würden unsVerschmähn, wenn sie nur edel blieben? unsFür Sklaven ansehn, weil wir Sklaven sind?Die Schmach zum wenigsten trift uns allein! Ich habe keinen Cato noch gesehn,Noch keinen Brutus; aber Weiber, dirO Porcia an Seelenschöne gleich,Voll Lieb und hohes Sinns wie Arria,Und Mütter, die geflehet hätten: Kind,Erbarme deiner Mutter dich, und stirb!