Ein Brame schlich an seinem Stabe
In Wischnus Tempel, um zum Grabe
Sich einzusegnen. Plötzlich kam,
Indem er vor dem Abgott kniete,
Ein Minorit. Vor Eifer glühte
Sein hohles Auge; knirschend nahm
Er das Idol, warf es zur Erde
Und spie darauf. Der Brame sah
Mit hohem Ernst in der Geberde
Auf ihn herab. Selbst Lojola
Wär über seine Wuth erröthet;
Noch stieg sie bey des Heiden Blick.
Er hätt ihn gern durch Schwert und Strick,
Noch lieber durch ein Wort getödtet.
Ha Schade! rief er endlich aus,
Daß ich dich nicht in Goa habe.
Der Brame reicht ihm eine Gabe;
Er nahm sie, und mit heilgem Graus
Verließ er schnell das Götzenhaus.
Ists möglich, Gott, daß dieser Wilde,
Der Mensch nach deinem Ebenbilde,
Der Liebling deines Busens ist?
Ich kann zwar irren, aber hassen,
Das kann ich nicht, das kann ein Christ.
So sprach der Greis und hob gelassen
Die Trümmer seines Götzen auf.
Da trat ein Mann in die Pagode,
Voll heitrer Würde, wie zum Tode
Die Unschuld geht. Der Lebenslauf
Des Weisen stand in seiner Miene.
Sein Gruß war: Friede sey mit dir,
Mein Jünger! Wie, sprach der Bramine,
Er scheint ein Sohn der Götter mir? —
Ein Freund der Menschen, der sie lieben
Und hoffen lehrt, dem Caraiben
Und Hindus Brüder sind. — Heil dir!
Du, den ich unbekannt verehre,
Erhabner Fremdling, deine Lehre
Ist göttlich. Traun! du bist kein Christ. —
Kennst du die Christen? Viele nennen
Sich so, die keine sind. — Wir kennen
Die Brut, die erst das Mark uns frißt,
Dann uns verdammt. Nur eben fluchte
Mir einer, der dies Haus besuchte. —
Den sah ich auch; doch dieser ist,
So wahr mein Vater lebt, kein Christ;
Ein Unhold ist er, ein Vergifter
Der menschlichsten Religion. —
Und du, wer bist du Herr? — Ihr Stifter,
Versezte sanft des Menschen Sohn;
Den izt der Gottheit Stirnband schmückte
Und warf dem Greis, der schreckenlos
In süßer Anbetung zerfloß,
Vom Wolkenthron, der ihn entrückte,
Noch einen Blick der Weyhe dar,
Der mehr für ihn als Taufe war.
