„Ertödten will ich diesen wilden Stier,
Mit Einem Wort, das leise ich ins Ohr
Ihm sage.“ Also sprach der Zaubrer Jambres
Vor einem Heidenrichter; dieses sey
Beweis für meinen Glauben, gegen jenen,
Der mir vorübersteht. Er holte muthig
Den wilden Stier herbey, der bäumte sich
Und stieß mit seinen Hörnern. Leise sprach
Der Zauberer sein Wort ihm in das Ohr;
Mit lautem Brüllen sank das Thier danieder.
Ihm gegenüber stand der Christ und sprach:
„Ertödten konntest du mit giftgem Hauch;
Doch kannst du auch, was todt ist, auferwecken?
Denn also steht geschrieben: „Der bin Ich,
Der tödten und lebendig machen kann!“
Noch mehr als dies; er kann das Wilde zähmen“ —
Danieden fiel er betend: „höre, Herr,
Nicht Wunder fleh’ ich; deine heilige
Religion bedarf der Wunder nicht;
Ich fleh’ und bete, um das innre Zeichen,
Wozu sie ist? Ertheil’ es gnädig mir.
Auf stand er froh, getrost und heiter, sprach
Den heilgen Namen laut hin überm Todten;
Der regte sich. Geschwind ergoß der Strom
Des Lebens sich in Ader, Nerv’ und Bein;
Ein wundervoller Strom. Der wilde Stier
Erstand gezähmt und schaute mild umher,
Er nahte sich dem Christen, seinem Herrn,
Ihm willig folgend.
Nicht ertödten soll
Religion; das Todte neu beleben,
Das Wilde zähmen, soll und kann nur sie.
Dies ist das innere, fortwährende,
Das wahre Zeichen ihrer Göttlichkeit.
