II.AnSerenenO, Freundinn, unverlarveten GesichtsUnd schleierloser, reiner Sele,Und dennoch heiter, wie der ewig junge MaiUnd anmuthsreicher noch und holder noch,Als er, und überall, wo du erscheinst,Dem freundlichen Gestirn der Liebe gleich,Das aller Augen fesselt, aller Herzen sichGewinnt, o, sag’ es deinen Schwestern doch:Wie man den innern Werth erwirbt,Der durch die rauhe Schale der NaturDem Kenner in die Augen strahlt! Sie, deine Schwestern, leider muss ich’s klagen,Verstehen meistens sich auf ihre Würde nicht,Bemühen sich um Flitterprunk,Um äussren Reiz und Anstrich nur, der freylich mehrDer unerfahrnen Menge sich empfehlt,Mehr Gecken jung und alt um sich versammlet.Dahin geht Unterricht und eigne Strebsamkeit,Vom Leitband und vom Gängelwagen an. —Kann man auch Rosen von den Disteln pflücken?Ist jeder Schössling nicht der Mutterpflanze gleich? —O, Freundinn! wie die angestorbne Sünde, gehtZur Afterwelt das weibliche Verderben fort:Wo wird der Eitelkeit nicht Tempel, nicht Altar?Das Mädchen, noch dem Flügelkleide nichtEntwachsen, hüpfet an der Mutter HandDem Heiligthum der Göttinn zu,Erstarrt ob allem Glanz, und nimmt davonDen Eindruck für sein ganzes Leben mit. Ha, wie verderben wir uns selbst! —Die abgeartete Natur wird nochAn Miethlinge verrathen, als ersticktenWir selber nicht den Keim des Guten schon.O, Gallien, wie hast du nicht dem deutschen VolkGeschadet! — deine Töchter sind,Was unsre Weiber sich zu seyn entblöden!Ein Mädchen mehrentheils, das nur ein Netz zu drehnVersteht, nur über Kleid und Kopfschmuck und FrisurZu reden weiss, in seinem engen Schädel sonstNicht fünf Gedanken herbergt,Ist — — Kammermädchen würd’ ich rathen — ist,Mit seinem plattfranzösischen Gewäsch,1Mit seiner Modeziererey,Erzieherinn! giebt überall den TonDer Lebensart und abgeschliffnen Sitten an.Ein Zögling, der aus solchen Händen kömmt,Empfehlt sich zeitig schon der grossen Welt.Die Dame schwört es ihm von weitem schon entgegen,Der feile Stutzer, wenn man will, befluchts:„Da sehe man den mächtgen Unterschied„Der eigenen Erziehung und der Pension!” —„Ja wol den Unterschied!” seufzt jedermann,Der bider denkt und ist. Man kennt an seinen FedernDen Vogel wol, der in der Frühlingssonne spielt,Und Raupen für den Sommer heckt! —Was ist mit solcher Zucht dem Manne dochGeholfen, der für sein empfindend HerzSich eine Freundinn, einst für Kind und HausSich eine kluge Mutter wünscht? —Weh ihm, wenn ihm sein Missgeschick,Mit einer Gattinn jener Art beschenkt!Sey sie gelehrt in jeder Modewissenschaft,In jeder schönen Kunst versucht;Hilfts ihm, wenn Haus und Hof besorget werden soll?Wenn vom Geschwärm der durchgetanzten Nacht erschöpft,Den hohen Mittag nun die Dam’ entgegen träumt;Wie oder, wenn zum Abendfeste sieDen langen lieben Morgen schon an SchmuckUnd Lockenbau verschwendet: füllen dannDie Töpf’ und Schüsseln sich aus eigner Wunderkraft?Ha! wenn dem silbernen KlavierDie Schöne dann den schmelzendsten Gesang entlockte,Von ihren Lippen einer Mara Töne flössen;Des Magens Aufruhr würde dadurch nicht gestillt.So hilfts zur Pfleg’ auch nicht dem armen kranken Mann,Wenn seine Gattinn, aus dem ganzen StossDer Almanachs und Bluhmenlesen, ihmDie schönsten Stellen rezitirt;Von allen Ehrenmännern Griechenlands und RomsFast wie von Nachbarsleuten schwatzt.So linderts auch den Kummer seiner Sele nicht,Wenn ihre Briefe die BewunderungDes Schönengeisterkränzchens sind;Wenn sie nach allen EndenGermaniens korrespondirt, und mehr,Als er für’s Haus die Woch’ hindurch bedarf,Ein Posttag seiner abgezehrten Börs’ entzieht. — Was denn? — o, Freundinn! lehr’ es uns,An deinem Beyspiel, deiner dir gelungnen That:Durch welche Mittel wird vor allen wolEin bidres deutsches Weib gebildet? „Durch Arbeit” — ist dein freundlicher Bescheid,Durch Arbeit jeder Art, für Keller, Hof und Haus,Von früher Kindheit an.Der Mutter Beyspiel sey der Tochter Pension,Erziehungsinstitut und all dergleichen mehr,Der Mutter nehmlich, die, wenn gleichKein Oekonomikum ihr je gelesen ward,Mehr eingeweiht in allen Wirthschaftskünsten ist,Als von der fünften FakultätDie weisen Herren allesammt. — An ihrer Puppe lerne meine Kleine schon,Sich spielend Kleid und Schmuck mit eigner Hand bereiten!Das spart ihr viele Thaler einst, die sonstAlljährlich, dem vielleicht unwilligen Gemahl,Das Kontobuch des Modeschneider Amts entwendet.Ihr zarter Finger bilde zeitig schonDen Faden, künftiger Gewebe Stoff!Welch ein Triumph, wenn ihre rege Hand,Nach manchem missgelungenen Versuch,Des Strickstocks Meisterstück vollendete!Dann lächelt ihr mein Beyfall, wird ihr LohnEin mütterlicher Segenskuss,Für den sie alles leidet, alles thut. —So spielen wir von Arbeit uns zu Arbeit fort.Ihr Kopfputz, ihrer Locken Bau,Und tausend unnennbare Kleinigkeiten mehr,Sind ihrer Hände Werk. — Allein mein Mädchen istDer Werkstadt nicht, dem Arbeitsstuhle nichtDes engen Zimmers angeschmiedet, scheutDen Sonnenbrand, den herben Rauch der Küche nicht;Lernt zeitig Feld und Garten kennen,Lernt unterscheiden Kraut und Frucht.Da sind wir, mit dem jungen Morgen schon,Geschäftig, Korb und Spaten in der Hand;Da sammlen wir, für unverdrossnes Bemühn,Der Erde Gaben, unsre Nahrung, ein.Beladen, kehren wir zurück. —Dann sprüht der Herd, dann wälzt die Flamme sich empor,Wir backen dann, wir kochen dann,Dann schäumen Topf und Kessel undDie Pfanne zischt, der Bratenwender schwirrt. Wenn dann,Geladen, oder uns vom Glücke zugeführt,Ein gerngesehner Gast an unsrer Tafel sichErgetzt, von unserm Mahle seinen Gaumen nichtsBeleidiget, und Wahl und Ordnung überallSein heitres Aug’ ersieht; wie freuen wirUns unsrer Arbeit dann, und theilen Lust mit ihm!Doch sorgen wir fürs Gegenwärtige nicht nur;Wir legen Vorrath jeder ArtAuch für den langen Winter auf.Da wird so manche Frucht gedörrt, gebacken,Im Nektarsaft des ZuckerrohrsSo manche künftgen Festen aufbewahrt.Auch sind wir so verzärtelt nicht,Aus missverstandener Empfindsamkeit,Des Milchlamms hier, des zarten Täubchens dortZu schonen, die der weise Vater der NaturDoch mit den Thieren allesammtDes Menschen Willkühr unterwarf.Da giebt es immerfort zu füttern, aufzuziehn,Und Käs’ und Butter zu bereiten;Da giebt’s zu schlachten und des Fleisches Ueberfluss,Durch Rauch und Salz, zu späterem VerbrauchUns zu erhalten. Alles, bis auf Bein und Haut,Ist uns am Thiere nützlich, nichts verachten wir.Das selbst, was ekelhaft der Ziererinn,Der Unerfahrnen nutzlos dünkt,Wird unter klüglicher Behandlung unsZum sicheren Gewinn der Folgezeit. — Viel übersieht der Miethling, der für Lohn und Brodt,Und thät’ er noch so wenig; immer dochZu viel zu thun vermeinet. WirErmüden nicht, nach allem selbst zu sehn.Der Herren Auge, wie die Sonne, dringtIn alle Winkel, hellet alle Schatten auf. —Nicht Staub, nicht Unrath leiden wir, und sollt’ es nochDer Arbeit mehr erfordern. — ReinlichkeitTrägt über allen Ausdruck mitZum froheren Genuss des Erdelebens bey.” „Gut alles! — Aber so besorget ihrDen leidigen Bedarf des Körpers nur!Denn währlich weiter seyd ihr noch,Mit aller eurer sauren Mühe, nichtGekommen. — Wird der Sele zeitig nichtDer Same nützlicher Erkenntniss eingestreut;Woher dann einst die Frucht? — Und wolltet ihrGeschmack und Wahrheit auch aus guten Büchern ziehn;Vermögtet ihr’s? Im Wirbel eurer Thätigkeit,Ist Zeit und Kraft dazu verloren. —” „Nicht ganz! — Wir lesen auch. Nicht oft, nicht viel vielleicht;Doch mit Gedanken, hoffen wir, das Wenige.Und was bedarf’s des eitlen Lesens viel,Bey einer wohlgeleiteten Natur,Um Weib und Mutter einst zu seyn? — Bin ich,Mit eines Viertheilsekulums Erfahrenheit,Nicht meinen Töchtern Buchs genug?Ja, wahrlich! lernen sollen sie von mir,Was nicht vielleicht in manchem eurer Bücher steht.Wie oder ist’s der Zeit Erforderniss,Dass wir zu Sprecherinnen unsre Töchter bilden? —Dann freylich hatt’ ich unrecht, dass ich nichtDie zeitige Gedichtsrubrik, RomanUnd Schauspiel mitgerechnet,Aus jedem Messverzeichniss mir,Zu häuslichem Gebrauch, erhandelte. —Doch Einfalt ist’s vielleicht, dass mir es nicht behagt,Wenn hier und da ein Weib im KreisDer Männer die Gelehrte spielt,Und über Schrift und Buch und Wissenschaft und KunstVon ihrem Polstersitz herab entscheidet,Als fühlte sie den heilgen Dreyfuss unter sich,Und hätt’ Apoll zusammt den Musen sieZur Stellvertreterinn ernannt. —Mag seyn, dass solch ein PhænomenDen Neuling zum Erstaunen zwingt;An Geist und Jahren mündig,Lacht er mit Recht der aufgeblasnen Thörinn einst. —Zum Reden weniger, zum hören mehrGewöhnet, hoff’ ich, sollen meine Töchter dochDem Kennerblicke nicht entgehn.Wenn ihren Lippen gleich die Büchersprache nichtGeläufig ist, wenn ihrer dreisten Feder auchSentenzen auf Sentenzen nicht entströmen,Und Worte, wie sie *** und **,Kraft ihres Büchermacheramts,An Kopf und Schwanz verstümmelten;So sind sie Stumme drum in unsern Zirkeln nicht.Befragt sie nur: in welchem Boden Kohl gedeiht?Mit was für Künsten man des spätren Sommers FruchtDer Erde zeitiger entlockt, und wieMan dies und das bereitet, wasZum Unterhalt und zur BequemlichkeitDem arbeitsvollen Leben dient? —Darüber, wett’ ich, werden sieSich auszudrücken wissen, so bestimmtUnd, auch der Sprache nach, so fehlerlos vielleicht,Als noch kein Kochbuch aus des Druckers Händen kam.Sie werden euch auch schreiben, was die NothErfodert, einen guten trocknen Brief,Der, was er soll enthält, des Herzens Abdruck ist,Nicht Leidenschaft in ausgesuchten Phrasen lügt.Und dennoch wird man hier und daUm meine Mädchen werben; Freunde giebt es nochDer unverdorbenen Natur: ich rechn’ auf sie. —” Und wirst dich nicht verrechnen, edles Weib! —O, dass ich nicht ein Jüngling noch; dass ichDem hohen Mittag schon des Lebens nahe bin!Mit welchem Herzen würd’ ich nichtDich Mutter grüssen, deine Tochter Weib,Weib meiner Sele! — Doch sie seyNun eines andern Theil, der JugendkraftUnd Frömmigkeit in sich vereint!Gott segne dich und sie, und deutscher BidersinnVererbe sich von euch zur Afterwelt herab!