Inhalt
Cynthia, Daphne, und Myris, drey junge Schweizerinnen, begeistert von dem prächtigen Anblik der Jungfrau (des schönsten der Schneegebirge, deren Kette sich gen Süden von Bern darstellt) haben eine Wallfahrt zu dem Fuße der Unersteiglichen unternommen. Begleitet von Nordfrank, einem Dichter aus Norden, durch Alpenwandrungen bekannt, langen sie, nach zweitägiger Reise, des Abends in Lauterbrunnen an, wo sie im Gasthofe nur ein einziges Zimmer zum Nachtlager finden. Verlegenheit der Ermüdeten, durch das glükliche Einschlafen des Führers gehoben. Fußwäsche. Betrachtung des Jungfrauhorns im Mondschein. Tanz der Gebadeten. Entzükkung des gebetteten Führers.
Singe, homerische Muse der Grazien Wandrung zur Jungfrau:
Laut die Gefahren, die jene, bergan und bergab, auf den Rükken
Hochumdonnerter Felsen, und tief in umnachteten Thälern;
Auch auf Wogen der Thuna, der Jungfrauschauklerin, drohten:
Leise die weit noch größre Gefahr des kühnen Begleiters,
Der mit den Holden allein herum schwamm, auf und ab stieg;
Dennoch lebendiges Herzens, mit sämmtlichen Sinnen davon kam.
Dort, wo die blühende Töchter der Aarumarmeten Berna
Wallenden Rosen und Lilien gleich, im Schatten des Stadtwalds,
Enge genannt, lustwandeln, erhebt sich dem Blik in der Dämmrung
Zwischen Gebirgen unendlicher Höh’, in der Mitte des Hochlands,
Noch von der lange verschwundnen, am Jura versunkenen Sonne
Rosendekränzt, hellschimmerndes Haupts, die beherrschende Jungfrau.
Keiner, dem höher das Herz des Schönen Gefühl und des Großen
Aufhub, schaute von hier der Hehren erhabenes Antliz
Ohne zu fassen den Wunsch, ihr zu nahn, um genaht auch den Saum nur
Ihres krystallnen Gewands, entrükt der Erde zu küssen.
Aber wie Kipris im Bade die tanzenden Chariten anlokt,
Also lokt auch diese die Grazien dort, in der Frühglut,
Und in dem sanftern Glanz des Abendes; viele doch schrekt auch
Oft der Erhabenen Miene, wenn Todesgewande den Thron ihr
Donnergewebt umgraun, und in stygischer Nacht sie gehüllt scheint.
Nicht wohl jegliche Charis entschüchterte gleiche Begeistrung.
Cynthia, Myris und Daphne, sie waren es, denen das Loos ward,
Sie, der wallenden Rosen und Lilien sanfteste Schwestern,
Dachten entflammt, und beschlossen zu nahn dir, Aethergenoßin!
Ihn, den Petinabesteiger, den muthigen Stokhornstürmer,
Heil! ihn kohr des Geschik, den wandrerumwandernden Nordfrank,
Führer des Weges zu seyn, der Begeisterten, hoch zu der Jungfrau.
Doch Hermeias voll Grimm, der fuhrroßwaltende Postgott,
Und das beflügelte Kind, des Olympos Tyran und des Erdballs,
Drum, weil beide gewünschet das Loos der beneideten Führung,
Wälzeten viel ihm entgegen, dem muthigen, schwer und lastvoll
Wie kaum Sisyphos Stein. Doch schüzte Uranias Beistand;
Und ihn krönte mit Sieg der waltende Helfer Apollen.
Hart an der Jungfrau Fuß, wo zwischen des Mönchs und des Mohrbergs
Himmeltragenden Säulen, im tiefumschatteten Bergthal,
Lauterbrunnen genannt, durch ringsum zitternde Hütten
Schäumend der Lütschine Strom herrauscht aus dem hinteren Eismeer;
Dort in der Mitte zerstreuter Behausungen raget ein Gasthaus
Näher dem sprudelnden Fall des himmelentstürzenden Staubbachs;
Ringsum dunkelt das Graun sturzdrohender Felsen; am Abhang
Senkt sich das einsame Dorf; und unten in engerer Tiefe
Rollt dumpftosend des Stroms acherontische Flut; nur von oben
Lächelt der Jungfrau Blik tief ab in den traurenden Abgrund.
Hier nun müde des schon zweitägigen Gangs, bergan stets,
Ruhten die Huldinnen sanft, umhüllt von der Blume des Schlafes,
Alle schwesterlich eng in dem einzigen Zimmer gebettet.
Neben den Holden, getrennt, nicht nahe noch fern, an dem Fenster,
Auf dem heroischen Lager von drei gekehreten Stühlen,
That, als schlummert’ er selbst, der gar zu glükliche Führer.
Doch er schlummerte nicht, obgleich auch müde der Wandrung.
Denn wie die Trauten vorher, nach spät genommenem Nachtmahl
Flüsterten heimlich ein Bad mit Geschwindigkeit noch zu bereiten,
Wenn zu fernen nur sey durch Mädchenliste der Anstoß;
Hatte sie jener behorcht, der Verschlagene, laut es bejammernd,
Daß sein Aug’ ihm drükke der Schlaf mit schwerem Gefieder.
Und es freuten sich drob die Mägdelein, welche ja sonst nicht
Wußten, wie anzufangen das Werk des Entkleidens und Bettens,
Eingesperrt nun einmal mit ihm in dem einzigen Zimmer.
Schlaf nur lieber Begleiter, erwiederten alle, wir selbst auch
Nikken, wir werfen uns gleich auf das Bett, wie wir stehen und gehen.
Schlaf nur, dachten sie, du! und lächelten, daß es so gut gieng.
Er nun stellte verkehrt drei Stühl’, an dem Size des einen
Fügend des anderen Lehn’, und der Wand anstüzzend den dritten,
Schief das Geschäft anfangend mit Vorsaz, kläglich zum Anschaun.
Gleichsam trunken vor Schlaf umtaumelt’ er selbst mit den Sesseln,
Immer erneuend des Sisyphos Werk; bis jene zurecht ihm
Selber halfen das Bett, wo der Schnarchende griechisch im Schlaf sprach,
Träumend bereits (so wähnten die drei) von der gestrigen Seefahrt.
Aber es wachte die Seele des Schlaf nachahmenden Blinzers,
Stehlend den lauschenden Blik durch die halbgeschlossenen Wimper.
Jene begannen getrost mit mädchenhaft traulichen Scherzen
Nun das gekartete Spiel. Er schläft wie ein Dachs, o wie glüklich!
Lachten einander sie zu: wie hätten wir furchtsamen Kinder
Sonst es gemacht mit dem Bad? unmöglich ja wär’ es gelungen.
So bescheiden er ist und sittsam, ist er ein Mann doch;
Damen ja müßten wir seyn, nicht Jungfraun, hätten wir nicht uns
Lieber als Märtyrinnen sogleich, mit brennenden Sohlen,
Kaltes Muths auf das Bett unausgekleidet geworfen!
Eher ich weiß nicht was, rief aus die schüchterne Myris,
Als mit enthülletem Fuß vom männlichen Blikke belauscht seyn!
Alle nun hohlten heran die heimlich verborgene Wanne,
Welche zuvor an die Thüre gestellt die gefällige Wirthin;
Stellten sie dar in die Mitt’, und, auf ländliche Sessel gelagert,
Streuten sie Salz in die lauliche Flut, und sprengten Kirschgeist.
Eilig sodann mit Bedacht der Gewand’ Umfaltungen ordnend,
Schnallten sie ab die Schuh’, und löseten jegliches Knieband;
Drauf in gebogener Stellung, die eine gelehnt an die andre,
Zogen sie aus die gezwiefelten Strümpf’; und jezzo mit einmal
Glühten am Rande des Bads die sechs erröthende Füßlein.
Selbst erglühten sie nicht, die Lieblichen; ruhig und arglos
Saßen sie da, wie Kinder im Spiel, holdseliger Einfalt,
Trauend dem tönenden Schlaf des lautaufschnarchenden Träumers.
Cynthia tüpfte nunmehr, die dampfende Quelle versuchend,
Kekt ihr Lilienfüßchen hinein; doch schnell, wie gerizt, fuhr
Dieses zurük, denn zu heiß war das Bad; da lachten sie laut auf,
Kühlere Flut eingießend, die Grazien Myris und Daphne.
Und mildwinkend begannst du, Cynthia, ringelndes Haupthaar:
Jezzo genug! o wie sanft! wie beseligend! wahrlich, ein Gott war’s,
Welcher das Baden erfand! wie erquikt die ermüdeten Füße,
Lind umspülend die liebliche Flut! ganz wiedergeboren
Fühlt man sich, ach! und so wohl! Nicht wahr? ihr findet es auch gut?
Ihr antwortete drauf die Klugheit blikende Daphne:
Weder zu warm, noch zu kalt! mir dünkt’s vortreflich; nur glaub’ ich,
Schadete kaum noch des Geistes ein weniges. Myris, was meinst Du?
Schalkhaft lächelte jene, mit purpurnen Lippen erwiedernd:
Mich entzükkt es ganz, auch scheint vortreflich die Mischung;
Nur ein wenig zu heiß, und ein wenig zu kühl! Wenn der Nordfrank
Dieses gehört, gleich hätt’ er gemahnt: Schon wieder ein Ja-Nein!
O wie erwünscht, daß er schläft! Du segnetest eben den Badgott,
Schwester, ich segne den Schlaf. Und ich, ich segne die Schlafkunst!
Murmelte leis’ im Herzen der Schlummerer, alles behorchend.
Also badeten sie, stillhaltend herab in der Wanne
Alle die niedlichen Füße gepaart, weil jede den Strohhut
Abwarf, hebend den Kamm, den gebogenen, welcher den Flechten
Eingezähnt, aufhielt der ambrosischen Lokken Gewirbel.
Sieh! und es walleten frei nun herab auf Rükken und Schultern,
Holdes Geringels, im losen Erguß die entfesselten Haare;
Gleichwie die Bäche der oberen Flut im thauenden Frühling,
Losgebunden vom Haupte des Gebirgs, entströmen der Felswand,
Flossen den Nakken herab zu den Hüften die blühenden Lokken.
Jezzo durchfingerten jene die sanftabwallenden emsig,
Kräuselnd die sorgsam gesonderten rings, und zwängend die Ringlein
Drauf in papierne Tütchen, gedreht von beschriebenen Blättern.
Dies enthielten der Wanderung Plan, und in flüchtigen Zügen
Was sie bishero gesehn, nebst mancher gelehrten Bemerkung,
Aufgezeichnet zum Frommen der Welt von dem neuen Odysseus.
Aber es schien ihm Gewinn der Verlust des begonnenen Tagbuchs,
Als er bedacht’, wie selten ein Plan den Sterblichen anschlägt,
Und daß im Flug er die Noten gemacht, und in ärmlicher Prosa;
Drum bewundert’ er izt mit Geduld des Geschriebenen Schiksal.
Nicht zu gedenken, daß reizend ihm schien, und unsterblicher Deutung,
So durch die Grazien selbst zum Druk sich befördert zu sehen.
Also gewikkelt das duftende Haar nun, banden die Holden
Seidene Tücher verschiedener Farb’ um die niedlichen Köpfchen;
Ach! und es schien noch holder hervor aus jeglichem Eirund
Unter der Zipfelchen Band der Aenglein helles Gefunkel.
Bald dann regten sie wieder die sanftdurchwärmeten Füßlein,
Wirbelnd schneller und schneller das Naß im strudelnden Umlauf,
Ausgelassenes Muths; und plätscherten alle dann plözlich,
Daß die geründeten Waden die Flut umspielete, sprizzend
Bis zum Gelenke des Knies. Doch Cynthia drohte bedachtsam
Jezt mit gehobenem Finger, den Blik auf den Schlummerer werfend.
Und auf einmal ruhten die Füß’, und es schwieg das Gelächter.
Also sprach mit bedeutendem Ernst die erste der Jungfraun:
Wunder! wie doch ein besondres Geschik oft fügt was unmöglich
Auch dem Verwegensten schien, und das Unwahrscheinlichste wahr macht!
Wäre doch keiner von uns vor vierzehn Tag’, auch im Traum nur,
Eingefallen was jezzo geschieht, als von ferne nur denkbar!
Wahrlich! wenn auch in verklärter Gestalt, mit dem Mond auf der Stirne,
Regenbogenumgürtet, und hoch wie Himmlische hergehn,
Dies mir Wachenden, sichtbar genaht, die Göttin der Unschuld
Hätte verkündigt vorher, ungläubig wär’ ich geblieben!
Ja, wenn selbst, als verlohren ich dort im bewundernden Anschaun
Stand auf der Enge daheim, die fernherschimmernde Jungfrau
Hätte sich plözlich bewegt, herwandelnd, nahe mir tretend!
Und der Erstaunenden solches gesagt, ich hätte gezweifelt!
Oft noch zweifl’ ich, und traue noch kaum der wirklichen Wahrheit:
Daß in dem nehmlichen Zimmer mit uns drein Schwestern ein Mann schläft!
Ihr erwiederte drauf die an Reiz holdselige Myris:
Uns ist freilich unmögliches fast, und unglaubliches, allen
Wiederfahren, indem wir gesammt, drei züchtige Jungfraun,
So mit dem einzigen Manne zu Land und zu Wasser einherziehn,
Und in dem nehmlichen Zimmer zusammen mit ihm nun gesperrt sind;
Mir ist aber vor allen das weitunmöglichste gestern
Wirklich geworden, als gänzlich allein ich mit ihm mich auf einmal
Fand in der Höle Beats; mich schaudert noch bei dem Zurükblik.
Würf’ ich doch selbst ein Gedicht, das ähnliches mahlte, aus dem Fenster;
Dennoch ist alles, so wahr es auch ist, unschuldig und einfach.
Drauf versezte mit funkelndem Blik die verständige Daphne
Weh dem Mädchen, des Würde dadurch in etwas Gefahr lief,
Daß ein Mann, wer solcher auch sey, durch leidigen Zufall
Solches allein antraf! Ist aber der Mann ein vertrauter
Freund des Hauses, durch Sitten bekannt, ein Muster der Brüder,
Könnte nur niedrige Tükke daraus unschikliches folgern.
Wie das Geleit’ auch übrigens scheint, was Vater und Mutter
Schiklich erklärt, wenn immer nicht Mod’, ist, denk’ ich, doch Sitte;
Denn was die Besseren wollen und thun, ist eben das Gute,
Nicht was die Mode befiehlt, die wohl oft von dem Schlechtesten herkommt,
Immer der Sonn’ entgegen, von West gen Osten, aus Frankreichs
Pfuhl, wie der Nordfrank sagt, zu der Schweiz ätherischen Anhöhn.
Ich, ich finde sogar in dem Schein nichts Widriges, ist doch
Allen ja kundig das Band, das den Vater verknüpft und den Führer;
Und daß er diesem vertrauete, selbst durch Geschäfte gehindert,
Unsere Leitung, ihm Vatergewalt mitgebend, und Segen.
Wieder von neuem begannst du, Cynthia, ringelndes Haupthaar?
Alles was Daphne bemerkt, ist wahr; auch scheint mir der Anstoß
Weder im Seyn noch im Schein der Begebenheit, wenn sie gekannt ist.
Aber uns kennen nicht alle. Wir selbst, bevor uns der Nordfrank
Wurde so völlig enthüllt als der edelste Schirmer der Unschuld,
Hätten verschworen den Fall; auch gestand ja selber der Vater,
Daß er ein einziger sey, und daß nimmer die Wanderung angieng’,
Also begleitet, auch kürzeres Wegs, nach Biel, noch nach Arau.
Dorthin, hieß es, ein Herr lustfahre mit Damen, bemerkt’ er;
Hier: mit Hirtinnen wandelt ein Hirt; wie verschieden ist solches!
Also beleuchteten jen’ im Wechselgespräch mit einander,
Reines Herzens, die Noten zum Text der romantischen Führung;
Himmelentfernt von der städtischen Welt bössinnigem Argwohn,
Doch mit dem zarten Gefühl für das Schikliche, welches im Busen
Jeglichem Mädchen als Kinde schon keimt, bevor noch das Urtheil
Reift an der Sonne der Zeit, entfuhr der kindlichen Einfalt
Oft ein feineres Wort voll Sinn und treffender Wahrheit.
Und es bewunderte, froh der Belehrungen, mancher Bemerkung
Ueber sein eigenes Betragen der ohranspizzende Nordfrank.
Aber nachdem sie den Text nun erschöpft, und genugsam gebadet,
Huben sie wieder empor die Lilienfüß’ auf den Küstrand;
Trokneten vorgebükt, die Gewand’ aufhaltend, wie Anfangs,
Daß nicht nezze den Saum die Flut der stüzzenden Wanne;
Scherzten dabei, hochpreisend das Bad und die heilsame Wirkung,
Wie den Körper es stärk’, und sehr befördre die Tugend,
Aller weiblichen Höchste, die Reinlichkeit; nekten einander,
Welche zuerst getroknet enthüpft, und verglichen die Füßlein.
Herzlich freute sich drob mit Gemächlichkeit, weil er verschont war
Einer zu reichen den Preis, der schlafentamtete Richter.
Hätte nicht Paris gewacht, traun! Ilion stände noch heute.
Jezzo vom Bad’ erfrischt, und gesalbt mit duftendem Nußöhl,
Stand anmuthig, wie drei verschlungene Knospen im Brautkranz
Sanft in einander geschmiegt, die Gruppe der blühenden Jungfraun.
So wie Lilie, Ros’ und Nelk’ in gemeinsamem Anduft
Jegliche jene verschönt, als sey rothglühend die eine
Nur für der anderen Schnee, und gesprengt für beide die dritte;
Also standen sie da, durch einander verklärt, in der Unschuld
Kindlichem Freudegewand, und küßten sich, liebliches Anschaun.
Drauf begann zu den zween die holdanlächelnde Myris:
Seht doch, wie lieblich der Mond tiefab von der Stirne der Jungfrau
Durch das Fensterchen blikt! o Schwesterlein löschet die Lamp’ aus!
Und sie löschten den Tacht, und eileten alle zum Fenster,
Nah am Gestühl hinschwebend des stets noch wachenden Nordfranks;
Standen, errothend im Schein des schneegespiegelten Mondlichts,
Wonneberauscht von dem Glanz der ätherischheiligen Jungfrau;
Staunten, wunderten, glühten, und bebeten sanft in Entzükkung,
Angeschmiegt an einander, in seliger Wonne verherrlicht.
Lange standen sie so, in Bewunderung, keusch anbetend,
Ganz versunken in dir, der Nacht sanftleuchtende Göttin!
Und wohl nie mildstrahlender sah der Chariten Anmuth
Ein Unsterblicher selbst, als dort der selige Nordfrank.
Endlich (o Freuden des Staubs, wie schwindet ihr flüchtiger Dauer!)
Dachten die Holden der Nacht, da ein ziehendes Wölkchen in Dunkel
Hüllte den Dreien die Stirn, die der Mond noch küßte zum Abschied.
Und sie flogen vorbei dem Gestühl die rosigen Magdlein
Jungfrauheilig; und jezt in leichthinschwebender Rükkehr,
Arm in Arm versuchend die Kraft zur morgenden Wandrung,
Preißte des doppelten Bads erquikkende Stärkung ein Walzer.
Also gaukeln im lieblichen Spiel des bewegenden Westwinds.......
Drei glanzwechselnde Farben des Polumwallenden Nordlichts,
Golden und rosig und hell gemengt, und zerfließend im Aether.
Also trennen und mischen sich sanft im harmonischen Dreiklang
Harfengewirbelt im Schwunge der Luft, hörbarer Bewegung,
Ein’ um die andr’, und vereint, die melodisch gewechselten Töne,
Wie die Holden im schwebenden Tanz sich fernten und nahten.
Aber nachdem sie ein wenig im reizenden Schwunge gewirbelt,
Sanken sie wonnebetäubt aufs Bett’ in die Arme des Schlummers;
Und der Ermüdeten Reiz’ umdufteten Blumen des Schlafes.
Wieder erholte sich nun der kaum noch athmende Lauscher;
Und es sandte sein Herz zu der Göttin der Uranionen
Flammenden Dank, daß ihm ward die himmlische Weihe zum Antheil,
Welche sie schenken nur dem der Erkohrnen, dessen Emporblik,
Nicht verkennend den Scherz, der Chariten Miene belauschte.
