Hoch errichteten Europens Heere,
Gott des Ruhms, dir wechselnde Altäre,
Seit der Zwietracht hart geworf’nem Loos;
Höher prangt am Saum von Ostens Meere,
Dir dein neu’ster Altar, ewig gross!
England zwang den Sund mit kühner Flotte,
Stürmt’ auf Kopenhagens Bollwerk, wand
Sieggewohnt auch dort mit blut’ger Hand
Sich des Sieges Lorber, doch — dem Gotte
Des Triumphes unerkannt!
Angefallene im theuren Vaterlande,
Kämpfer gegen dargebotne Schande,
Kämpfer für der Meere Recht und Ruh,
Euch, Ihr Dänen! flog im Strahlgewande
Der Triumph des heissen Tages zu!
Britten Übermacht deckt’ Eure Rhede,
Mehr als Römerkraft ward Eure Wehr!
Brittenblut durchröthete das Meer!
Nelson selbst brach ab die Donner-Fehde,
Dem Erfolge — misstraut’ er!
Von den Schlachten all in unsern Tagen
Habt Ihr die Erhabenste geschlagen;
Habt, im Kampf bis auf den Tod,
Feindeswuth zum Übermaass ertragen,
Bis der Held des Nils selbst Einhalt bot!
Die von Euch allein geschlag’ne Wunde
Seiner Flotte ward sein eig’nes Weh!
Schon beim ersten Auslauf strandete
Ihm ein Ostsee-Schif; er ging zu Grunde
Der Unüberwindliche!
Fluch dem, der die Kriegesfackel schwinget,
Und den friedlichen zur Fehde zwinget,
Fluch dem Schuldigen vergoss’nen Bluts;
Ehre, die bis zu den Sternen dringet,
Tapfern Schützern ihres eig’nen Guts!!
In Europens wildem Blutvergiessen
Hielst Du, Dännemark, den Ölzweig, bis
Stolzer Übermuth dir ihn entriss!
Dein, als schöner Beute, zu geniessen
Schien der Habsucht schon gewiss!
Doch — Du kämpftest! — hättest du erlegen,
Blieb auch dann der Welt dein Nam’ ein Segen,
Gern eilt Antheil dem Bedrängten zu!
Aber stark rangst du dem Feind entgegen,
Und unüberwunden bliebest Du!
Welche Tapferkeit kann schöner strahlen,
Als die friedliche, die nie ein Netz gestellt,
Und die dann bedroht, den Feind zerschellt!
Solche seltene schmückt Dännemarks Annalen,
Die Annalen unsrer Welt!
Tag, der selbst gelass’ne Seelen rühret,
Dich, o zweiter Tag Aprils! gebieret
Vaterlandesliebe ganz allein!
Und im Volk, das solch ein Prinz regieret,
Unter Dänen, muss ihr Wohnplatz sein!
Wer durchwallte Seelands Lustgefilde,
Wie ich, als des Aussenlandes Sohn,
Hörte da nur Patrioten Ton,
Und sah, für den Krieg, im Bilde
Szenen dieser Art nicht schon?
O! wie schaal sind Englands Siegesfeste
Gegen den ehrwürdgen Zug der Reste
Eurer Schlachtgefallenen an’s Grab!
Und der Wehmuth Feier dort! wem presste
Sie nicht Zähren höhern Sinnes ab!
England, solltest du Triumph noch wähnen,
Höre, was dort Mann und Jüngling sprach:
"Euch Gefall’nen folg’ ich kämpfend nach!
"Dieses schwör’ ich!" Nein, Ihr edle Dänen!
Euch trift keine Sklavenschmach!
Berlin. J. B. Tilly.