An Katherinen Jaquetüber die Rolle der Gräfinn Salisburyin Hrn. Schröders EduardErröthe nicht des Lobs!1 ich schmeichle nicht.Des Schmeichlers Hauch versengt mit schnellem GiftDen schönsten Keim des blühenden Talents.Du sollst es hören, ob ich schmeicheln kann.Ja Mädchen, jeder Laut wird WahrheitstonAuf deinen Lippen, dringt zur Seele sich.Dein sprechend Aug befeuert jedes WortMit Ausdruck: würdig Girardonen stets,Und Guiden Vorbild hoher Kunst zu seyn,Ist die Gebehrde Adel, Reiz; dein SpielBezauberung für Ohr, und Aug und Herz.Und Eduards Argwohn irrt, wenn er bei dirNur einen Nebenbuhler wähnt, den erVergebens sucht. Trag, König, deinen BlickEntflammt umher! Der volle Hörsaal liebtDie göttliche Salisbury, gleich dir.Mit diesen Gaben ausgeschmückt; durch sieDer Stolz Thaliens und Melpomenens,Der deutschen Bühne Stolz zu seyn, bestimmt;Mit diesem Schnellgefühl, von Einsicht stetsIm Pfade der entzückenden NaturGeleitet, selbst bis zur Natur erhöht. —Mit diesen seltnen Gaben, dieser Kunst,Die, ohne Leitung, du dir selber schuffst,Hast du, zu fühlen deinen Werth, das Recht.Hast du ein Recht, das staunende Parterr’Was Wahrheit ist? was Schönheit? durch dein SpielZu lehren — nicht Gesetze für dein SpielVom Haufen anzunehmen. Er mißkenntOft monotones Winseln für Gefühl,Nimmt kindisches Gezier für Naivität.Zulang verwöhnt Geschmack und Auge, hältEr stöhnend Keichen, das die aufgetriebne BrustZum Bersten schwellt; Verzerrungen, wie dieDen Missethäter auf der FolterbankEntstellt, für treue Züge der Natur.Nur allzutreu! Doch auch gefällig?2 nein:In Worten Schwulst, ist nicht Erhabenheit,Nicht, Parenthyrsus in Gebehrden,3 Kraft.Sieh Nioben,4 des Griechen MeisterhandDrückt stummes Mutterleiden nicht durch KrampfDer Muskeln aus: ihr Schmerz ist tief — doch schön.So wälzt der Fechter5 nicht unedel sichIm Staub des Cirkus. Eingedenk des Ruhmes,Gesehen von Senat und Volk zu seyn,Stemmt er im Sterben sich empor, und fällt,Erblassend schon, mit Anstand seiner Kunst.6Die Krone deines Spiels, Ophelia,Kömmt nicht, wie von den Ketten eines Bedlams7 los,Nicht wie der arme Tom8 unsäuberlichIn Lappen, kaum bedeckt. Der AehrenkranzIm aufgelösten, nicht zersträubten Haar,Zeigt von Unordnung ihres Herzens mehr,Als des Verstands, schmückt traurig feyerlichDas Opfer zärtlicher Empfindsamkeit.Du rasest nicht, sprichst nur aus Wehmuth irr:Und doch; wem flößt dein unbestimmter Blick,Des Mundes Lächeln, da im Auge dirDie leise Thräne bebt, nicht Mitleid ein?Wem dringt dein Leichgesang nicht an das Herz?Wer streut mit dir nicht auf des Vaters GrabViolen? weint mit dir nicht auf sein Grab?Für Künste ist die Vorschrift allgemein:Nichts kann gefällig seyn, was sich nicht ziemt.9Verzeih des Beifalls denn, der klatschend lohnt!Der aus den Wolken10 immer lauter tönt,Als von den Loschen und Parterr’. Das Lob,Das Hände spenden, ehret nicht. DarinNimmt leicht der Träger mit der breiten HandEs mit dem Mann von Kopf und Herzen auf.Dich lobet schweigende Bewundrung mehr:Wann, hinentzücket durch dein edles Spiel,Der Hörsaal sich, zu athmen, kaum vergönnt,Besorgt, daß er sich eine Schönheit raubt —Wann, hingerissen durch dein wahres Spiel,Der Hörsaal, sich vergessend, mit dir fühlt,Furcht, Wehmuth, Freude, Schrecken mit dir theilt.Doch, Mädchen! da liebkosend die NaturMit solchen seltnen Gaben dich geschmückt,Der deutschen Bühne Zierde und Stolz zu seyn,Mit diesen grossen Gaben, dieser Kunst,Die, ohne Vorbild, du dir selber schuffst,Ist auch an dich des Kenners Fodrung groß.Gemeiner Schwingen höchstes Steigen, istFür Adlerschwung kaum Mittelregion:Die Sonne ist sein Ziel — Das DeinigeDer höchste Gipfel deiner Kunst — Nur dortWird dir den unwelkbaren Kranz der RuhmUm deinen Scheitel winden. Und erstiegstDu nicht den Gipfel — O dann — wenn du gleichHoch über deine Kunstgefährten wegDich schwängest — wärst du tief doch unter dir,Und dem Talent, das die Natur dir gab.