Adelstan und Röschen1771.Der ſchöne Maienmond began,Und alles wurde froh,Als Ritter Veit von AdelſtanDer Königsſtadt entfloh.Von Geigern und Kaſtraten fernUnd vom Redutentanz,Vertauſcht’ er ſeinen goldnen SternMit einem Schäferkranz.Der Schooſs der Au, der WieſenkleeVerlieh ihm ſüſsre Raſt,Als Himmelbett’ und KanapeeIm fürſtlichen Palaſt.Er irrte täglich durch den Hain,Mit einer Bruſt voll Ruh,Und ſah dem Spiel’ und ſah dem ReihnDer Dörferinnen zu;Sah unter niederm HüttendachDer Schäferinnen Preis:Und plözlich ſchlug ſein HerzensſchlagWol noch einmal ſo heiſs.Sie wurden drauf gar bald vertraut;Was Wunder doch! Er warEin Mann von Welt und wohlgebaut,Und Röschen achzehn Jahr.Sie gab, durch manchen ThränenguſsErweichet, ihm Gehör;Zuerſt bekam er einen KuſsZulezt noch etwas mehr.Izt wurde, nach des Hofes Brauch,Sein Buſen plözlich lau:Er ſaſs nicht mehr am SchlehenſtrauchMit Röschen auf der Au.Des Dorfes und des Mädchens ſatt,Warf er ſich auf ſein Roſs,Flog wieder in die Königsſtadt,Und in ſein Marmorſchloſs.Hier taumelt’ er von Ball zu Ball,Vergaſs der Raſenbank,Wo beim Getön der NachtigallSein Mädchen ihn umſchlang.Und Röschen, die auf WieſengrünIm Haſelſchatten ſaſs,Sah Mann und Roſs vorüberfliehn,Und wurde todtenblaſs.Mein Adelſtan! ich armes Blut!Er ſah und hörte nicht,Und drückte ſich den ReiſehutNur tiefer ins Geſicht.Sie zupft’, auf ihren HirtenſtabGelehnt, am Buſenband,Bis er dem Roſs die Spornen gab,Und ihrem Aug’ entſchwand;Und ſchluchzt’, und warf ſich in das Gras,Verbarg ſich ins Geſträuch,Weint ihren ſchönen Buſen naſs,Und ihre Wangen bleich.Kein Tanz, kein Spiel behagt’ ihr mehr.Kein Abendroth, kein Weſt;Das Dörfchen dünkt ihr freudenleer,Die Flur ein Otternneſt.Ein melancholiſch Heimchen zirptVor ihrer Kammerthür;Das Leichhuhn ſchreit. Ach Gott! ſie ſtirbt,Des Dorfes beſte Zier.Die dumpfe Todtenklocke ſchalltDrauf in das Dorf. Man bringtDen Sarg daher. Der Küſter walltDer Bahre vor, und ſingt.Der Pfarrer hält ihr den Sermon,Und wünſcht dem Schatten Ruh,Der dieſem Jammerthal’ entflohn,Und klagt und weint dazu.Man pflanzt ein Kreuz, mit FlittergoldBekränzet, auf ihr Grab;Und auf den friſchen Hügel rolltSo manche Thrän’ hinab.Es wurde Nacht. Ein düſtrer FlorBedeckte Thal und Höhn;Auch kam der liebe Mond hervor,Und leuchtete ſo ſchön.Vernehmt nun, wies dem Ritter ging!Der Ritter lag auf Pflaum,Um welchen Gold und Seide hing,Und hatte manchen Traum.Er zittert auf. Mit blauem LichtWird ſein Gemach erfüllt.Ein Mädchen trit ihm vors Geſicht,Ins Leichentuch verhüllt.Ach! Röschen iſts, das arme Kind,Das Adelſtan berückt!Die Roſen ihrer Wangen ſindVom Tode weggepflückt.Sie legt die eine kalte HandDem Ritter auf das Kinn,Und hält ihr moderndes GewandIhm mit der andern hin;Blickt drauf den ehrvergeſsnen Mann,Den Schauer überſchleicht,Dreimal mit hohlen Augen an,Und wimmert und entweicht.Sie zeigte, wann es zwölfe ſchlug,Jezt alle Nächte ſich,Verhüllet in ein Todtentuch,Und wimmert’ und entwich.Der Ritter fiel in kurzer ZeitDrob in Melancholei,Und ward, verzehrt von Traurigkeit,Des Todes Konterfei.Mit einem Dolch bewaffnet flohEr aus der Stadt, und liefZum Gottesacker hin, alwoDas arme Röschen ſchlief;Wankt’ an die friſche Gruft, den DolchDem Herzen zugekehrt,Und ſank. Folg! ruft ein Teufel, folg!Und ſeine Seel’ entfährt.Der Dolch ging mitten durch das Herz,Entſezlich anzuſchaun!Die Augen ſtarrten himmelwärts,Und blickten Furcht und Graun.Sein Grab ragt an der Kirchhofmaur.Der Landmann, der es ſieht,Wenns Abend wird, fühlt kalten Schaur,Und ſchlägt ein Kreuz, und flieht.Auch pflegt er, bis die Hahnen krähn,Den Blutdolch in der Bruſt,Mit glühnden Augen umzugehn,Wie männiglich bewuſst.