Hell reitet in den ersten Ritterwaffen,
Am Abend seiner erstgefocht’nen Schlacht,
Ein junger Kämpfer durch den grünen Wald.
Da leuchtet’s ihm entgegen von der Erden!
„Daß Gott, wie goldig und wie groß!
Ach, wenn es nur nicht Vaters Schildrand ist!“ —
Er springt vom Rosse, fleugt hinzu —
Im hohen Grase liegt der alte Held,
Sein gold’nes Schild weit über sich gedeckt,
Und Blut quillt vor aus vielen edlen Wunden.
Der Jüngling seufzt, erhebt das Schildesdach,
Und sucht des Helmes Band zu lösen.
Da wacht der Alt’ aus tiefer Ohnmacht auf,
Und spricht:
Wer wagt an mein Gewaffen sich? Laß ab,
Du Wandersmann! Dieß ist geweihter Schatz.“ —
„Ach, Vater, seht doch nur, ich bin’s!
„Laßt Euch erleichtern von der ries’gen Wucht.“ —
„Laß liegen! Kind, laß liegen! ’S ist mein Denkmahl,
Wie ich in Ehren fiel.
Wenn ich verschieden bin, nimm mir den Helm,
Den gold’nen Schild, und auch dieß gute Schwert.
So lang’ ich aber lebe,
Darf ich’s nicht lassen. — Unser ist der Sieg?“
„Ja Vater!“ — „Gott sey Dank!
Wen er lieb hat, ruft er an solchem Tage.
Hast jetzt in den Geschwadern was zu thun?“ —
„Nein Vater!“ — „Wohl; da sey mir zu Gefallen,
Und singe mir — der Wald ist grün und frisch
Und abendsonnig, wie als ich zuerst
Im grünen Laubsaal Deine Mutter fand,
Die liebe, sel’ge Mutter! — singe mir
Das Lied, das sie so gern zu singen pflag:
Vom lieben Himmel und des Angers Schafen.
Der Jüngling trocknet still sein feuchtes Aug’,
Und hebt einfältiglich die Weise an:
„Im Mayen,
Im grünen Wald im Freyen
Da ist der Schäflein Haus,
Thut eines mit dem andern
So recht verträglich wandern,
Geh’n friedlich ein und aus.
Im Himmel
Weitab vom Weltgewimmel,
Da ist der Englein Haus.
Da hört man Liedesweisen,
Die Liebe Gottes preisen,
Da ist all’ Streiten aus.“
„Ja, ja im Himmel!“
So unterbricht der alte Held sein Kind.
„Doch hier auf Erden ficht sich’s noch recht munter.
Hörst? Auf dem linken Flügel?
Der Feind hat sich gesetzt.
Frisch auf Dein Roß, und hau’ nur herzhaft d’rein!
Leb’ wohl! Ich will die Mutter von Dir grüßen.“ —
Der junge Degen küßt ihn, springt in Sattel.
Da ruft der Alt’ ihm noch versorglich nach
Mit letzter Kraft:
„Brauch’ scharf den linken Schenkel, wenn Du einhaust!
Vorhin ging Dir der Scheck’ ja beynah’ durch.
Ich kenn’ ihn wohl. Man darf das nicht versäumen.
Dann birgt er sein erbleichend Angesicht
In’s Gras, empfiehlt sich Gott und allen Heil’gen,
Und murmelt, leise singend:
„Da ist all’ Streiten aus.“
Und froh beflügelt schwebt der tapf’re Geist
Zu seinen frommen Heldenahnen,
Und zu den alten Kaisern hoch im Himmel.
Der Jüngling läßt den Helmsturz niederfallen
Vor das bethränte Angesicht,
Spornt an sein freudig Roß, braucht scharf den Schenkel,
Schärfer das Schwert, und bricht des Feindes Reih’n.
