Die Braut aus der TiefeAn Pygmalion Thorwaldson.Im hohen Norden da steht ein Berg,Mit dürren Flechten umstricket;In des Berges Schoos wohnet Alraun und Zwerg,Vom Tageslicht nimmer umblicket:Doch lebet und webt’s in des Berges Schlund,Allein es schweiget der Tiefe MundVom einsam nächtlichen Walten.Es keimet’ und wuchs seit Jahrtausenden schonIn dunkelbrütender Stille;Dort bildet der Urzeit mächtiger Sohn,Eigir, in unendlicher Fülle.Es sank zu Boden wie reiner Schnee,Und wuchs in die Breit’ und wuchs in die Höh’Mit dunkeldurchstrahlendem Glanze.Und gebildet war’s, und es war vollbracht,Bei der Nornen ahndendem Sange;Und der Marmor glänzt durch des Abgrunds Nacht,Und er harrt dem erweckenden Klange.Denn was steigen soll aus der Nacht empor,Durch Gesang nur steiget’s an’s Licht hervor,Der das Wesenlose gestaltet.Es erklang die Leier in Bragis Hand,Die Erweckerin des was sonst schliefe;Und in blendendstrahlendem LichtgewandStieg die Marmorbraut aus der Tiefe.Wer vermählt den Geist mit dem Wiederhall?Wo weilst du erweckender Liebesstrahl?Wer rufet die Schönheit ins Leben?Denn sehet, sie steht mit geschlossenem Blick,Ihr Busen will sich nicht heben;Sie schreitet nicht vor, und nicht zurück,Von fesselnden Banden umgeben.O Bildner, eile von Westen her,Ueber Berg, über Thal, über Land und Meer,Zu lösen die fesselnden Bande!Zu beleben den alternden starren Nord.Mit der Schönheit Himmelsgebilden;Und zu wirken auf kommende Zeiten fort,In der heiligen Kunst Gefilden.O Thorwald, es harret die reine Braut,Dir ward sie geboren, dir anvertraut;Komm, rufe die Schönheit ins Leben.