Der HerbstabendAn Adam Oelenschläger.Der Herbstwind rasselt im Blumenrain,Der Regen prasselt ans Fensterlein;Das Vöglein flieht in den tiefen Hain,Der Kranich zieht in den Sonnenschein.Die du wohl kennest sind traut vereint,Wo sie hell des Kamines Flamm’ umscheint;Was will man beginnen, was will man thun,Um vom lieblichen Nichtsthun auszuruhn?„Ihr sollt nicht ruhen, ihr Mägdlein faul,Die Eine soll winden das runde Knaul,Die Andre soll stricken den Strumpf so fein,Die Dritte soll nähen ein Hemdelein.“Und Lotte mit leichtem Finger so zart,Soll sticken nach künstlicher Feenart;Und Ida soll sitzen, so mäuschenstill,Nicht singen, nicht klingen, nicht lachen; still!Und Mutter will lesen die süße Mähr’Von Wallburg so schön und Axel so hehr;Und Klina’s Stimme, so sanft bewegt,Die Leichtermüdete freundlich trägt.Und so saßen wir alle eng geschaart,Geweinet ward manches Thränlein so zart;Sie fielen in’ Busen, sie fielen in’ Schoos,Wie der Frühlingsthau auf des Haines Moos.Was Süßes je Lieb’ in Leiden geweint,Du hast es in Axel und Wallburg vereint;Was Hohes der seelige Schmerz empfand,Du hast es verknüpft in des Schicksals Gewand.Was hebet die Seele HimmelwärtsAus der Erdennoth und dem Erdenschmerz;Du hast es zu himmlischem Einklang verwebt,Daß des Herzens Thrän’ an der Wimper bebt.Und still wie der thauigen Sterne LichtDurch der irdischen Nebel Hülle bricht;So steigen auch Wallburg und Axel emporIn des Brüderreigens glänzenden Chor:Wo Baldur der Gute, und Hakon der HeldDie Brust mit Entzücken und Schauer schwellt;Und näher ans liebende Herz uns sprichtVon dem Heil’gen der Kunst das süße Gedicht.Drum blühe und töne du Wunderbaum,Und wiege dein Haupt in der Dichtung Traum;Und bleibe vom irdischen Leben fern,Denn es glänzt durch die Dämmrung des Dichters Stern.Und wenn er das Leben zu deutlich verstand,So war er den höheren Sphären entwandt.