Felsen stürzen, Gräber spalten;
Vor den himmlischen Gewalten
Stäubt der Zeiten Asche hin.
Der Posaune furchtbar Schmettern
Hallt aus nachtumhüllten Wettern,
Und der Urnacht Heere fliehn.
Aus des Todes kaltem Grausen,
Aus der Höllenströme Brausen,
Steigt die fromme Bitt’ empor:
„Laß mich Retter nicht versinken;
„Ach zur Rechten, nicht zur Linken,
„Nimm mich ins erwählte Chor!
Süßer Töne leichtes Schweben,
Sanftes Leben, tiefes Beben,
Strom von heil’ger Harmonie!
Wonneschmerz und Heilentzücken
Herz und Geist der Erd’ entrücken
In der Engel Sympathie.
„Laß mich fromme Hymnen singen,
„Dir soll Lobgesang erklingen
„Ueber Zions heil’gem Thor.
„Rette mich du Quell der Liebe,
„Daß gerettet dein ich bliebe,
„Jesu zieh den Geist empor.“
Also schwebt mit Seraphsschweben,
Und mit schüchtern zartem Beben,
Deine Stimm’, o Himmelsbraut!
Und in allen Seelentiefen,
Wo nur Schmerz und Sehnsucht schliefen,
Weckte sie der Himmelslaut.
„Tag der Thränen, Tag des Schaurens,
„Tag der Wonn’ und tiefen Trauerns,
„Ach erbarm’ dich Jesu mein!
„Aus des Löwen Rachen rette
„In des Himmels Auenbette,
„Laß mich dein auf ewig seyn!“
Wenn mein Leben einst versieget,
Wenn der lezte Hauch entflieget,
Wenn das matte Auge bricht.
Töne Stimm’ aus höh’ren Sphären,
Sanft den Geist mir zu verklären,
Ruferin in’s ew’ge Licht.
