Noch entzückt vom letzten Kusse,
Den ich Förster’s Tinchen stahl,
Schlich ich Abends, längs dem Flusse,
In das mondeshelle Thal;
Auf zum Fenster, bey der Linde,
Haucht’ ich zärtlich und geschwinde:
„Holde, laß das enge Haus,
„Liebchen, komm’ zu mir heraus!“
„Himmel tausend Donnerwetter!“
Flucht’ es jetzt herab vom Baum,
Und der Pachter, Tinchen’s Vetter,
Störte mir den schönsten Traum,
Lauernd saß er in den Zweigen.
Ich beschloß: ihm nach zu steigen;
Bald nun Tinchen’s Fenster nah
Sah ich, was der Vetter sah!
Auf das Schnäbeln ganz versessen
Lag sie in des Jäger’s Arm;
Meine Liebe war vergessen,
Wuth durchschoss mich fieberwarm;
Plötzlich hört man, unter Keifen,
Drinnen Tinchen’s Vater pfeifen,
Und der Jäger ward, in Hast,
Dritter Mann auf unserm Ast.
Doch kaum war er aus den Wänden
Ging’s wie wenn der Satan haust,
Denn er fiel aus weichen Händen
In des Pachters derbe Faust;
Eben wollt’ auch ich ihn packen,
Da zerbrach ein morscher Zacken,
Unten lag ich, und mein Schrey
Rief das ganze Haus herbey.
Alles lachte und die Streiter
Ließen schnell im Kampfe nach,
Als der Förster schelmisch heiter,
Und mit breitem Kratzfuß sprach:
„Ey, ich darf den Dank nicht sparen,
„Denn ihr habt’s gewiß erfahren:
„Daß mein Kind den Jäger nimmt, —
„Und den Glückwunsch angestimmt!“
Tinchen kam, ihm Dank zu sagen,
Doch der Pachter tobte laut:
„Narrenschellen sollte tragen
„Wer den Weibern jemals traut!“
Ich rieb mir verblüfft die Glieder,
Doch kein Mädchen küß’ ich wieder,
Denn ich denke gleich mit Qual
An das oft verwünschte Thal!
